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Allgäu-Tag 2011

Im Wortlaut von Petra Pau,

Wie in jedem Jahr sind die Mitglieder der Fraktion DIE LINKE während der so genannten Parlamentarischen Sommerpause viel in ihren Wahlkreisen unterwegs. Vor Ort nehmen sie sich der Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger an, besuchen Betriebe und Vereine, engagieren sich für lokale und regionale Anliegen. Auf linksfraktion.de schreiben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier über ihren Sommer im Wahlkreis.

Petra Pau (2.v.l.) und Alexander Süßmair am 22. Juli 2011 vor dem so genannten zentralen Überwachungscomputer der Umweltstation Unterallgäu in Legau

 

Nichts ist mehr wie es war. Zuletzt war ich 2005 in Kempten. Meine Partei hatte sich taufrisch in Linkspartei.PDS umbenannt. In einem typisch bayerischen Bierlokal trafen sich einige PDSler und einige WASGler mit einigen Neugierigen. Das aktuelle Thema hieß Hartz IV. Vor dem Restaurant hatten sich einige Jung-Unioner aufgebaut. "Kommunisten raus aus Kempten", stand auf ihrem Transparent. Die Welt schien noch geordnet.

Diesmal fehlten die CSU-Kadetten. Bei meinem Empfang im Rathaus sprach ich mit einer Bürgermeisterin und zwei Stadträten. Ich lernte: Nicht Trier, sondern Kempten sei die älteste je urkundlich erwähnte deutsche Stadt und man habe die Zukunft fest im Blick. Sybille Knott sprach von fünf strategischen Leitlinien. Eine davon heiße: 2020 wolle Kempten eine Vorzeigestadt beim Klimaschutz sein. Sie bemühte das weiß-blaue bayerische Bild.

Nur anders als in München. Früher galt das Allgäu als blaue Region, weil dort blühender Flachs die Felder färbte. Daraus wurden gefragte Linnen. Lang, lang ist’s her. Heute strahlt das Blau von "solargedeckten" Dächern. Ich kann bestätigen: Es werden im Allgäu sichtbar von Jahr zu Jahr immer mehr. Die viel umstrittene Energiewende schreitet voran - auf Bauernhöfen ebenso, wie bei kommunalen Gebäuden. Es geht also.

Wenn da nicht die Bundespolitik immer wieder Bremsheini spielen würde. Wie jüngst, da sie Fördermittel für dezentrale erneuerbare Energie kürzte. Merkel, Rösler und Seehofer führen offenbar anderes im Schilde. Sie wollen die Macht der vier großen Energiemonopole retten, auch in der Post-Atom-Ära. Kempten will energieautonom und langfristig CO2-neutral werden. Eine Befreiungsstrategie. Ich kenne das aus linken Programmen.

Auf zur nächsten Station: Mein Fraktionskollege Alexander Süßmayr, sowie Regional- und Kommunalpolitiker der LINKEN im Allgäu und ich besuchten die Umweltstation Unterallgäu in Legau. Herr Wächter empfing uns in der "Ressourcen-Erlebniswelt" für Kinder und Jugendliche. Mit einem zentralen Überwachungscomputer, der obendrein höchst gefragt sei, erzählte er. Jeden morgen würden sich angehende Umweltfreaks neugierig um ihn scharen.

Er erfasst alles - aus jedem Gebäude, aus jeder Finnhütte: Wie hoch waren die  Temperaturen? Wie viel Wasser wurde verbraucht und wie viel Energie? So könnten alle jungen Kursteilnehmer konkret erfahren: Wie wirkt sich mein Verhalten auf die Umwelt aus? Das wachsende Erlebnisareal versorgt sich zu 85 Prozent mit Eigenenergie, auch Häppchen und Schlückchen kommen ausschließlich aus der Region - umweltfreundlich.

Mein traditioneller "Allgäu-Tag mit der LINKEN" endete diesmal im Schwäbischen Bauernhof Museum Illerbeuren. Dort wird ländliche Geschichte feilgeboten - weitläufig und kompakt, anschaulich und faktenreich. Es war eine neunzigminütige Wanderung durch drei Jahrhunderte, dank Ausstellungschef Kettemann. Und wieder ging es auch um Umweltschutz und um Umweltfrevel im Laufe sich wandelnder Zeiten.

Schließlich wurde auch das klargestellt: Anders, als vielfach verbreitet, kommen die originalen Urschwaben aus dem Bayerischen. Die Nachbarn aus Baden-Württemberg sind bestenfalls aufschneidende Duplikate. Gut zu wissen. Denn als drittes Heimatland von Schwaben aller Couleur gilt längst Berlin. Gelegentlich ist dort bereits von Parallelgesellschaften die Rede und von schlechten Deutschkenntnissen schwäbischer Migranten. Geschenkt!

PS: Seit einem guten Jahrzehnt unterbreche ich meinen Urlaub für diesen politischen Allgäu-Tag. Es war stets spannend und immer gut vorbereitet. Zumeist auch von dem Bayern Fabio Delle Vedove. Danke Fabio!

Von Petra Pau

linksfraktion.de, 22. Juli 2011

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