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»Ältere sind die großen Verlierer am Arbeitsmarkt«

Nachricht von Sabine Zimmermann,

Antwort der Bundesagentur für Arbeit belegt: Situation für Ältere am Arbeitsmarkt nach wie vor schlecht

Die Arbeitslosigkeit Älterer (55 Jahre und älter) ist bundesweit von 427.130 im Jahr 2008 auf 544.484 in 2012 angestiegen (+27,48 Prozent). Im selben Zeitraum hingegen ist die Arbeitslosigkeit insgesamt um 11 Prozent zurück gegangen. Aktuell (Juni 2013) sind 562.694 über 55-Jährige als arbeitslos registriert. Die Arbeitslosenquote Älterer lag 2012 bei 8,2 Prozent und damit höher als die allgemeine mit 6,8 Prozent.

Auch der Anteil der Langzeitarbeitslosen an den älteren Arbeitslosen insgesamt ist mit 47,1 Prozent im Jahr 2012 wesentlich höher gewesen als der Anteil der Langzeitarbeitslosen allgemein an der Zahl der Arbeitslosen insgesamt mit 35,6 Prozent.  

Ältere Menschen (55 Jahre und älter) sind auch wesentlich länger arbeitslos als jüngere Arbeitslose (15 bis 54 Jahre). So betrug im Jahr 2012 die durchschnittliche bisherige Dauer der Arbeitslosigkeit der Älteren bundesweit 601 Tage, bei den jüngeren waren es 417 Tage. 

Ältere Arbeitslose (55 Jahre und älter) sind im Durchschnitt besser qualifiziert als jüngere (15 bis 54 Jahre). Verfügten im Jahr 2012 32,1 Prozent der arbeitslosen über 55-Jährigen über keine abgeschlossene Berufsausbildung, waren es bei den unter den 55-Jährigen hingegen 44,1 Prozent. 54,2 Prozent der älteren Arbeitslosen hatten eine abgeschlossene betriebliche/schulische Ausbildung vorzuweisen, bei den unter 55-Jährigen waren es 43,6 Prozent. 

Ältere Arbeitslose beenden ihre Arbeitslosigkeit wesentlich seltener aufgrund der Aufnahme einer Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt als jüngere (15 bis 54 Jahre). Bei nur 18,7 Prozent der über 55-Jährigen, die im Jahr 2012 aus der Arbeitslosenstatistik abgingen, war der Grund dafür ein neuer Arbeitsplatz. Bei den unter 55-Jährigen hingegen war im Jahr 2012 eine Arbeitsaufnahme auf dem ersten Arbeitsmarkt mit 30,1 Prozent der Hauptgrund für die Beendigung ihrer Arbeitslosigkeit.
Dies geht aus der Antwort der Bundesagentur für Arbeit zur Situation von älteren Menschen am Arbeitsmarkt auf eine Anfrage von Sabine Zimmermann hervor.  

"Ältere Arbeitslose und ältere Arbeitnehmer sind nach wie vor die großen Verlierer am Arbeitsmarkt. Weder bei den Arbeitgebern hat ein Umdenken statt gefunden, auch Älteren verstärkt eine Chance zu geben, noch bei der Bundesregierung, die die Beschäftigungssituation von Älteren gebetsmühlenartig schön redet. In den letzten Jahren hat sich die Situation für ältere Arbeitslose drastisch verschlechtert. Dabei ist das Ausmaß der Arbeitslosigkeit Älterer sogar noch stark unterzeichnet. Mittlerweile werden 144.567 über 58jährige Hartz IV-Empfänger aufgrund einer gesetzlichen Regelung nicht als arbeitslos gezählt, weil das Jobcenter ihnen ein Jahr lang kein Jobangebot gemacht hat. Im Zuge dieser Sonderregelung gelten zunehmend mehr ältere Hartz IV-Empfänger nicht mehr als arbeitslos, allein im Vergleich zum Vorjahr 13 Prozent mehr", kommentiert Sabine Zimmermann.

Die arbeitsmarktpolitsche Sprecherin weiter: "Die Bundesregierung muss endlich aufhören, die Augen vor der Realität zu verschließen. Für ältere Arbeitslose muss dringend mehr getan werden. Stattdessen streicht die Bundesregierung kontinuierlich die Unterstützungsleistungen für erwerbslose Menschen. Dass derzeit über 58-Jährige Hartz IV-Bezieher per gesetzlicher Regelung aus der Arbeitslosenstatistik gestrichen werden, wenn ihnen ein Jahr lang kein Jobangebot gemacht wurde, ist ein Anreiz zur Nichtförderung und dient einzig und allein der Bereinigung der Statistik.

Anstatt Ideenreichtum bei der Nichterfassung von Arbeitslosigkeit an den Tag zu legen, muss es um das effektive Bekämpfen der Arbeitslosigkeit gehen. Die anhaltende Sparpolitik der Bundesregierung in der Arbeitsmarktpolitik ist aber genau der falsche Weg. Anstatt sich über einen Fachkräftemangel zu beklagen, sollten die Arbeitgeber stärker als bislang die Einstellung von älteren Arbeitslosen in Erwägung ziehen und deren Potenzial nicht länger brach liegen lassen. Vor dem Hintergrund der Entwicklung der Arbeitslosigkeit von Älteren wird auch noch einmal die Rente ab 67 ad absurdum geführt und entpuppt sich als das, was sie wirklich ist, nämlich eine reine Rentenkürzung."