Zum Hauptinhalt springen

130 Millionen Frauen von Genitalverstümmelung betroffen

Im Wortlaut von Johanna Regina Voß,

Unterausschuss-Reise zum Thema "Genitalverstümmelung"


Nach einer Diskussion mit Studentinnen und Studenten in Monrovia, Liberia, zum Thema Genitalverstümmelung: "Wenn ich hier darüber rede, werde ich in meinem Dorf bedroht. Die töten mich", flüsterte eine junge Frau Johanna Regina Voß (2.v.l.m.R.) ins Ohr. Die männ-lichen Komilitonen hatten die Tradition verteidigt und sich Einmischung von außen verboten.


130 Millionen Frauen sind nach Schätzungen von Genitalverstümmelung (Female genital mutulation, FGM) betroffen. Jedes Jahr werden weltweit rund zwei Millionen Mädchen beschnitten - vor allem in afrikanischen Ländern. Fast ein Viertel stirbt an dem brutalen Eingriff und seinen Folgen. Die von Bürgerkriegen stark versehrten Länder Sierra Leone und Liberia in Westafrika haben die höchsten Beschneidungsraten in Westafrika. Sie gehören weltweit zu den allerärmsten Ländern mit einem pro Kopf Einkommen von unter einem Dollar pro Tag.

  Mit dem Unterausschuss "Gesundheit in Entwicklungsländern" reiste ich vom 29. April bis 6. Mai 2012 in diese beiden Länder, um die Situation vor Ort genauer anzusehen. In zahlreichen Gesprächen mit NGOs, Regierungs- und Kirchenvertretern und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) konnten wir uns über den kulturellen Hintergrund, Ursachen und die Arbeit für das Beenden dieser Praxis informieren. Reisen ins Landesinnere ermöglichten Gespräche mit betroffenen Mädchen, mit Dorfältesten und "Soweis", den Beschneiderinnen.

Situation der Frauen insgesamt verbessern
  Seit 2009 verbietet der Child Rights Act jegliche Praxis, die für das physische oder mentale Wohlergehen eines Kindes entmenschlichend oder schädlich ist. In beiden Ländern ist ein Gesetz gegen FGM wünschenswert, aber nicht ausreichend: Die Gerichtsbarkeit und eine geschulte Polizei werden erst langsam entwickelt. Um jetzt etwas zu ändern, muss die Situation der Frauen als Ganzes verbessert werden: mit Hilfe von Aufklärung, der Einrichtung von Schutzhäusern und der Schaffung von Erwerbsmöglichkeiten für Frauen in dörflichen Strukturen.
  Ermutigende Erfolge erlebte der Unterausschuss in Lunsar, Sierra Leone, wo die unabhängige Frauenrechtsorganisation Amazonian Initiative Movement (AIM) mit der engagierten Arbeit der Gründerin und Direktorin von AIM, Rugiatu Turay, das Schweigen gebrochen hat. Auch der Dorfälteste, der Priester und der Imam setzen sich inzwischen für die Rechte der Frauen ein. Die FGM konnte dort abgeschafft werden. Ein Schutzhaus für Mädchen wurde eingerichtet.   Erfolg haben kann der Kampf vor Ort gegen diese unmenschliche Praxis vor allem bei gleichzeitiger Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen. Die Soweis brauchen eine neue Existenz, die ihnen ein regelmäßiges Einkommen sichert. Und die Mädchen brauchen ein akzeptiertes Initiationsritual, ohne Körperverletzung.   Auch in Deutschland leben ca. 20.000 Frauen mit Genitalverstümmelung, so die Frauenrechtsorganisation "Terre des Femmes". Der Eingriff wird hierzulande oder während eines Urlaubs im Heimatland vorgenommen. Organisationen wie Terre des Femmes oder (I)NTACT kämpfen in Deutschland gegen Genitalverstümmelung durch Aufklärungskampagnen.  

Auch interessant