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Zeitumstellung

Themenpapiere der Fraktion

Die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit und umgekehrt sorgt alljährlich für Verwirrung. Nicht nur die Frage nach Vor- oder Zurückstellen der Uhr, sondern vor allem die Frage nach dem Sinn und Zweck der Zeitumstellung sorgt für Verwunderung. Wozu wird die Zeitumstellung jedes Jahr fortgeführt?

Geschichte

Die Zeitumstellung wurde von Deutschland als erstem Land weltweit im Ersten Weltkrieg eingeführt, bald folgten diesem Beispiel einige Länder. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese in vielen Ländern wieder abgeschafft. In Folge der Ölkrise in den 1970er Jahren wurde die Zeitumstellung 1980 in der BRD und in der DDR wieder eingeführt, um den anderen europäischen Ländern zu folgen. Es ging dabei weniger um die Energieeinsparungen als um die einheitliche europäische Zeitregelung. Inzwischen ist die Zeitumstellung europaweit für alle Mitgliedstaaten verbindlich und auf unbegrenzte Dauer mit der EU-Richtlinie 2000/84/EG festgeschrieben.

Energieeinsparungen

Die Gründe, warum die Zeitumstellung eingeführt wurde, sind heute kaum noch nachzuvollziehen. So ist nach derzeitigem Erkenntnisstand die Energieeinsparung im besten Fall sehr gering und kann vernachlässigt werden. Wissenschaftliche Erkenntnisse in diesem Bereich sind bis jetzt nicht sehr umfangreich, da zu wenig Studien durchgeführt wurden. Die Erkenntnisse hängen sehr vom geografischen Standort und den damit zusammenhängenden Bedingungen ab.

Wirtschaftliche Aspekte

Auch für die wirtschaftlichen Aspekte gibt es bisher keine verlässlichen wissenschaftlichen Erhebungen. Es kann davon ausgegangen werden, dass Betriebe, die wegen der Zeitumstellung Abläufe (zum Beispiel Melken) anpassen müssen, sich über die Jahre gute Strategien überlegt haben. Von negativen Auswirkungen wird nicht berichtet. Allerdings wäre wünschenswert, diese Anpassungen insbesondere für Betriebe, die mit Tieren arbeiten und diese an die Zeitumstellung schrittweise gewöhnen müssen zu vermeiden. Es wird davon ausgegangen, dass die Freizeit- und Tourismuswirtschaft von der Sommerzeit profitiert, da viele Angebote im Sommer so länger genutzt werden können.

Gesundheitliche Aspekte

Etwa ein Viertel der Bevölkerung Deutschlands spricht laut einer repräsentativen FORSA-Umfrage von zumindest subjektiv empfundenem Unwohlsein in den Tagen nach der Zeitumstellung. Während Untersuchungen über die Häufigkeit von Autounfällen rund um die Wochenenden der Uhrumstellungen zu keinen signifikanten oder sogar widersprüchlichen Ergebnissen kommen, wurde festgestellt, dass die Häufigkeit von akuten Herzproblemen und Schlafstörungen signifikant erhöht ist, insbesondere im März mit einer Stunde weniger Schlaf. Der Effekt des Jetlags über die Verschiebung des Biorhythmus über eine komplette Zeitzone spielt hier die entscheidende Rolle, weniger die subjektive Wahrnehmung, dass es früh plötzlich wieder länger dunkel ist. Der Körper benötigt mehrere Tage, um sich an die Umstellung anzupassen.

Die Zeitumstellung abschaffen!

Die Argumente von Energieeinsparung und damit einhergehenden wirtschaftlichen Gewinnen sind inzwischen widerlegt. Hingegen gibt es vermehrt Studien, die belegen, dass gesundheitliche Nebenwirkungen auftreten können. Umso mehr stellt sich also die Frage, wieso die Zeitumstellung nach wie durchgeführt wird.

Die LINKE setzt sich dafür ein, die Zeitumstellung aus sozialen und wirtschaftlichen Gründen abzuschaffen. Dieses Ziel kann nur über eine Änderung der EU-Richtlinie erreicht werden. Deshalb muss sich die Bundesregierung europaweit dafür einsetzen, dass die Zeitumstellung aufgehoben wird und ihre Ablehnung bekannt geben.

Da die Zeitzonenverteilung innerhalb der EU weitreichend nicht dem astronomischen Standard folgt und sich insbesondere die Mitteleuropäische Zeitzone (MEZ) vom Westrand der Iberischen Halbinsel bis an die Ostgrenze Polens über mehr als drei astronomische Zeitzonen erstreckt, mögen zwar die Meinungen zu Sommer- oder Normalzeit auseinandergehen, die Bewertung der eigentlichen Zeitumstellung ist aber überwiegend negativ.

Es sollte daher den Mitgliedsstaaten ermöglicht werden, restriktionsfrei und selbstständig die Zugehörigkeit zu einer Zeitzone frei zu wählen.

Die LINKE befürwortet, die Sommerzeit beizubehalten. Soziale und gesundheitliche Aspekte sind insbesondere im Sommer von großem Belang. Kinder können abends länger draußen spielen, Erwachsene ihren Freizeitaktivitäten nachgehen und ein soziales Miteinander kann in größerem Rahmen stattfinden. Somit wird ein positives gesamtgesellschaftliches Klima gefördert. Es gibt darüber hinaus noch weitere Vorteile wie zum Beispiel die optimale Nutzung von Photovoltaikstrom, dessen maximale Erzeugungsleistung (vom Sonnenstand abhängig) nahezu optimal mit der maximalen Mittagsspitze beim Stromverbrauch (uhrzeitabhängig) übereinstimmen würde.

Und außerdem  – wer möchte die langen Sommerabende schon missen?

Unterscheiden: Zeitumstellung und Sommerzeit

Um von Vornherein Missverständnissen vorzubeugen: der Antrag der LINKEN fordert die Abschaffung der Zeitumstellung und die dauerhafte Einführung der Sommerzeit (MESZ). Es erreichen uns viele Zuschriften von Sommerzeitbefürwortern, die meinen, wir möchten mit der Zeitumstellung die Sommerzeit abschaffen. Die Klarstellung ist wichtig, da der Begriff "Sommerzeit" automatisch mit der Zeitumstellung in Verbindung gebracht wird. Die Forderung nach Abschaffung der Zeitumstellung bedeutet zunächst nur, das zweimalige Verstellen der Uhr im Jahr abzuschaffen.

Weiterführende Links:

www.tab-beim-bundestag.de/de/untersuchungen/u20100.html
TAB-Bericht „Bilanz der Sommerzeit“                 

dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/106/1810697.pdf
Antrag der Linksfraktion zur Abschaffung der Zeitumstellung