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Ratingagenturen

Themenpapiere der Fraktion

Ratingagenturen bewerten die Zahlungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit (Bonität) von Unternehmen, aber auch von Staaten und untergeordneten Gebietskörperschaften, die Wertpapiere herausgeben. Das Ergebnis ist ein externes Rating – in Form einer Buchstabenkombination, die von AAA (beste Qualität) bis D (zahlungsunfähig) reicht. Damit wird eine Beurteilung der Zahlungsfähigkeit des Unternehmens, der Sicherheit des jeweiligen Wertpapiers oder auch der Ausfallwahrscheinlichkeit einer Forderung abgegeben. Je nach Beurteilung sind die Zinsen niedriger oder höher, die der Herausgeber (Emittent) eines Wertpapiers dem Käufer für das eingegangene Risiko in Aussicht stellt.

Ratingagenturen sind privatwirtschaftliche Unternehmen, deren Einnahmen und Gewinn von den Aufträgen der Unternehmen abhängig sind, für die sie tätig werden. Kennzeichnend ist die Oligopol-Struktur des Ratingmarkts: Die drei größten Ratingagenturen Moody’s, Standard & Poors und Fitch haben einen Marktanteil von 95 Prozent (in 2012).

Ratingagenturen haben mit dem enormen Wachstum der Finanzmärkte seit Beginn der 90er Jahre eine Bedeutung bekommen, die weit über das unmittelbare Verhältnis zwischen Emittenten und Anlegern hinausgeht. Zudem stützen sich die Aufsichtsbehörden, aber auch Versicherungen und Pensionskassen bei der Beurteilung von Risiken in erheblichem Umfang auf die Urteile dieser Finanzanalysten.

Die Glaubwürdigkeit der Ratings steht seit Sommer 2007 fundamental in Frage. Denn seitdem ist bekannt, dass die Ratingagenturen „Schrottpapieren“, vor allem unzureichend besicherten Immobilienkrediten, eine ausgezeichnete Bonität bescheinigt hatten. Diese Schrottpapiere erhielten jahrelang beste Noten von den Ratingagenturen und lösten seinerzeit die Finanzkrise mit aus. Die Komplexität der verschiedenen Wertpapiere wurde von den Ratingagenturen selbst nicht mehr durchschaut, und das Rating unterlag einem gewissen prozyklischen Herdentrieb. Problematisch am Rating ist ferner das Vergütungssystem. Derjenige, der bewertet wird, bezahlt denjenigen, der bewertet. Gefälligkeitsgutachten sind damit vorprogrammiert.

CDU/CSU und FDP wollen die US-amerikanische Rating-Dominanz durch das Entstehen europäischer Rating-Anbieter einschränken. Diese Hoffnung hält DIE LINKE für naiv und trügerisch. Denn bestehende Interessenkonflikte und Anreize zu Gefälligkeitsgutachten werden hierdurch nicht ausgeräumt. DIE LINKE fordert den Aufbau einer öffentlichen Ratingagentur auf europäischer Ebene als Bestandteil der Finanzaufsicht. Der Interessenkonflikt zwischen Maximierung der Einnahmen und Neutralität der Beurteilung wird dadurch aufgelöst. Neben der individuellen Bonität der Emittenten würden auch gesamtwirtschaftliche Umstände Berücksichtigung finden. Darüber hinaus müssen Finanzierung und Beauftragung von Ratingagenturen entkoppelt werden. Hierzu schlägt die LINKE eine Gebührenordnung für die Tätigkeit der privaten Ratingagenturen vor.

 

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