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Minijobs

Themenpapiere der Fraktion

Minijobs sind unsicher, niedrig entlohnt und führen zu Minirenten. Rund 65 Prozent der Minijobs liegen unterhalb der Niedriglohnschwelle von 10 Euro brutto pro Stunde. Arbeitnehmerrechte auf bezahlten Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Ähnliches werden häufig umgangen. Beschäftigte mit einem Minijob, offiziell geringfügig Beschäftigte genannt, sind zudem völlig unzureichend gegen soziale Risiken wie Arbeitslosigkeit oder Alter abgesichert. Geringfügig Beschäftigte sind daher in besonders hohem Maße von Altersarmut bedroht.

60 Prozent der Minijobs werden von Frauen ausgeübt. Sie können ihre Existenz mit einer solchen Beschäftigung nicht eigenständig sichern und sind somit auf ihren Partner oder ergänzende Sozialleistungen angewiesen. Durch geringfügige Beschäftigung wird ein überholtes Familienmodell mit dem Mann als Ernährer und der Frau als Zuverdienerin gefördert. Minijobs sind aus gleichstellungspolitischer Sicht ein Irrweg, denn die Frauen landen dadurch in einer beruflichen und biografischen Sackgasse mit hohen persönlichen Risiken. Laut Bundesfamilienministerium sind Minijobs keine Brücke in reguläre Beschäftigung.

Bei den Minijobs handelt es sich in aller Regel um eine unfreiwillige Teilzeitbeschäftigung mit einer tatsächlichen Arbeitszeit, die weit unter der von den Betroffenen gewünschten Arbeitszeit liegt. So beträgt die tatsächliche Arbeitszeit geringfügig beschäftigter Frauen rund 11,6 Stunden pro Woche, gewünscht aber sind 17,5 Stunden. Bei Männern sind es tatsächlich 13,7 Stunden, gewünscht dagegen 21,3 Stunden pro Woche.

Erst jüngst wurde darüber hinaus wieder bestätigt, dass im Rahmen von Minijobs arbeitsrechtliche Standards ausgehöhlt werden: So gewähren in Nordrhein-Westfalen mehr als 15 Prozent der Betriebe geringfügig Beschäftigten keinen bezahlten Urlaub. Rund 35 Prozent der Minijobber nehmen ihr Recht auf bezahlten Urlaub nicht wahr. Auch andere soziale Leistungen, auf die die Minijobber einen Anspruch haben, werden häufig nicht gewährt oder in Anspruch genommen. Eine weitere Untersuchung zeigte, dass 2015 knapp die Hälfte der Minijobs unterhalb des gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohns entlohnt wurde.

SPD und Grüne haben mit den Hartz-Gesetzen die Grundlage für die rasante Ausbreitung der Minijobs gelegt. Rund 4,8 Millionen Beschäftigte müssen sich mittlerweile mit einem Minijob begnügen, der ihre Existenz nicht sichert. Weitere 2,7 Millionen üben einen Minijob als Nebentätigkeit aus, um ihre zu niedrigen Einkommen aus dem Haupterwerb aufzustocken. Das sind im Vergleich zu 2003 weit mehr als doppelt so viele. Da Minijobs sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verdrängen, wird es immer schwieriger, einen Arbeitsplatz zu finden, der gut entlohnt wird und von dem man leben kann.

DIE LINKE fordert die Gleichstellung von Minijobs mit sozialversicherungspflichtiger Arbeit. Abhängige Beschäftigung soll ohne Ausnahme ab dem ersten Euro Entgelt der Sozialversicherungspflicht unterliegen. Gleichzeitig fordert DIE LINKE eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro pro Stunde ohne Ausnahmen. Zudem sind deutlich mehr Kontrollen notwendig, um die Einhaltung der Vorschriften sicherzustellen.

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