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Minijobs

Themenpapiere der Fraktion

Minijobs sind unsicher, niedrig entlohnt und führen zu Minirenten. Die Corona-Pandemie machte die fehlende soziale Absicherung offensichtlich: Denn viele Minijobbende verloren ihren Job und hatten weder Anspruch auf Kurzarbeitergeld noch Arbeitslosengeld. Vor dem coronabedingten Einbruch gab es knapp 7,6 Millionen Minijobbende bzw. „geringfügig Beschäftigte“ (Juni 2019). Damit hatten fast 19 Prozent aller abhängig Beschäftigten einen Minijob. Ihre Zahl ist im Vergleich zu 2003 um 43 Prozent gestiegen. Dieser Zuwachs fand v.a. bei der geringfügigen Beschäftigung in Nebentätigkeit statt. Rund zwei Drittel der Minijobber erhalten einen Stundenlohn unterhalb der Niedriglohnschwelle. Das Versprechen „brutto=netto“ ist daher eine Farce. Die ausufernden Minijobs sind mit ein Grund, warum Deutschland im europäischen Vergleich eines der Länder mit dem größten Niedriglohnsektor ist.

Arbeitnehmerrechte auf bezahlten Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Ähnliches werden häufig umgangen. Beschäftigte mit einem Minijobsind zudem völlig unzureichend gegen soziale Risiken wie Arbeitslosigkeit oder Alter abgesichert. Ausschließlich geringfügig Beschäftigte sind in besonders hohem Maße von Altersarmut bedroht. Die übergroße Mehrheit der Minijobbenden (über 80 %) macht von der Möglichkeit Gebrauch, sich von der Rentenversicherungspflicht zu befreien. Sie zahlen gar keine Beiträge und erwerben auch keinerlei Ansprüche. Aufgrund des geringen Einkommens im Minijob sind die Möglichkeiten, Ansprüche zu erwerben, selbst wenn man rentenversichert bleibt, allerdings faktisch sehr begrenzt.

60 Prozent der Minijobs werden von Frauen ausgeübt. Sie können ihre Existenz mit einer solchen Beschäftigung nicht eigenständig sichern und sind somit auf ihren Partner oder ergänzende Sozialleistungen angewiesen. Durch geringfügige Beschäftigung wird ein überholtes Familienmodell mit dem Mann als Ernährer und der Frau als Zuverdienerin gefördert. Minijobs sind aus gleichstellungspolitischer Sicht ein Irrweg, denn die Frauen landen dadurch in einer beruflichen und biografischen Sackgasse mit hohen persönlichen Risiken und Abhängigkeiten. Minijobs sind kein Sprungbrett in reguläre Beschäftigung, sondern erschweren systematisch Übergänge in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Auch verdrängen sie sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze.

Bei den Minijobs handelt es sich darüber hinaus in aller Regel um eine unfreiwillige Teilzeitbeschäftigung mit einer tatsächlichen Arbeitszeit, die weit unter der von den Betroffenen gewünschten Arbeitszeit liegt.

SPD und Grüne haben mit den Hartz-Gesetzen die Grundlage für die rasante Ausbreitung der Minijobs gelegt. Rund 4,6 Millionen Beschäftigte müssen sich mittlerweile mit einem Minijob begnügen, der ihre Existenz nicht sichert. Weitere rund 3 Millionen üben einen Minijob als Nebentätigkeit aus, meist um ihre zu niedrigen Einkommen aus dem Haupterwerb aufzustocken. Das sind im Vergleich zu 2003 weit mehr als doppelt so viele. Da Minijobs sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verdrängen, wird es immer schwieriger, einen Arbeitsplatz zu finden, der gut entlohnt wird und von dem man leben kann.

DIE LINKE fordert die Überführung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Abhängige Beschäftigung soll ohne Ausnahme ab dem ersten Euro Entgelt der Sozialversicherungspflicht unterliegen.


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