Schließen

Skip to main content

Ländlicher Raum

Themenpapiere der Fraktion

 

Ländliche Räume sind meist naturnahe, von Land- und Forstwirtschaft geprägte Siedlungs- und Landschaftsräume mit geringer Bevölkerungs- und Bebauungsdichte sowie vorwiegend niedriger Wirtschaftskraft und geringer Zentralität der Orte. Die Dichte sozialer Netzwerke zwischenmenschlicher Beziehungen ist oft höher als in Städten.

Der ländliche Raum im engeren Sinne (ohne „Zwischenräume“) nimmt 58 Prozent des Bundesgebiets ein. Hier lebt ein Viertel der Bevölkerung.

Das Grundgesetz (GG) verpflichtet den Gesetzgeber in Artikel 72 (2) zur Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Bundesgebiet Abgesehen von Stadt-Land-Unterschieden unterscheiden sich auch die Lebensverhältnisse in den ländlichen Räumen untereinander: Auf der einen Seite gibt es florierende Räume im Süden und Westen Deutschlands, während ländliche Räume in anderen Regionen ausbluten. Dies bedeutet nicht nur Entleerung von Menschen, sondern vielmehr auch einen Rückgang an Infrastrukturangeboten, Kaufkraft und regionalem Entwicklungspotential.

In den letzten Jahrzehnten kam es zu zum Teil dramatischen Wanderungsbewegungen  in die Ballungsgebiete vor allem im Westen und Süden der Bundesrepublik. Für viele Menschen sind das niedrige Lohnniveau und fehlende Arbeitsplätze die wichtigsten Gründe, ländliche Räume zu verlassen. Gerade in der Land- und Forstwirtschaft sind Niedriglöhne gang und gäbe. Aber auch in anderen Bereichen sind die Löhne und Gehälter meist deutlich niedriger als in den Ballungsräumen. In ländlichen Räumen gibt es in der Regel nicht nur weniger soziale Schichten – das gesamte „Schichtniveau“ liegt tiefer. In manchen Regionen ist lediglich der Tourismus Alternative zur wirtschaftlichen Verarmung und Entsiedlung.  Auch der Mangel an „weichen Standortfaktoren“ ist Ursache dafür, ländliche Räume zu verlassen bzw. sich dort nicht anzusiedeln. Dies gilt in besonderer Weise im Falle mangelhafter Ausstattung der Regionen mit Bildungseinrichtungen aller Art. Da weite Anfahrtswege zu weiterführenden Schulen der Normalfall sind, wird durch hohe Beförderungsentgelte vor allem Kindern aus ärmeren Familien der Zugang zu höherer Bildung erschwert.

Aus der Sicht der Fraktion DIE LINKE sollten ländliche Räume ihre Wertschöpfung vor allem   durch vielfältige regionale Kreisläufe sichern und stärken. Die neoliberale Politik der Konzentration auf städtische Metropolregionen als wirtschaftliche und kulturelle Zentren führte und führt im Gegenzug zu einer rapide abnehmenden wirtschaftlichen und kulturellen Attraktivität ländlicher Räume.

DIE LINKE will den ländlichen Raum stärken.DIE LINKE hält an der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse fest und tritt für einen solidarischen Ausgleich ein. DIE LINKE will die flächendeckende Land- und Forstbewirtschaftung  erhalten und durch nicht-landwirtschaftliche Gewerbe und Dienstleistungen stärken (Belebung von traditionellem dörflichem Handwerk, Erschließung des ländlichen - sanften - Tourismus, Umweltwirtschaft, dezentrale Verlagerung von Wirtschaftsstandorten in ländliche Regionen mittels moderner Informations- und Kommunikationstechnologien).

DIE LINKE fordert den ungehinderten Zugang für kleine und mittelständische Unternehmen zu notwendigen Krediten und die Stimulierung eines unternehmerInnenfreundlichen Klimas in den Dörfern. Sie unterstützt bürgerschaftliche Initiativen, die darauf zielen, zur Eigenfinanzierung lokaler Ökonomie, der Infrastruktur und regionaler Wirtschaftskreisläufe auch neue Quellen zu erschließen. Die Fraktion DIE LINKE befürwortet lokale Aktionsgruppen in den Dörfern, die sich die Aufgabe stellen, die Zukunft ihres Dorfes in die eigenen Hände zu nehmen und unterstützt Initiativen einer deutschen Dorfbewegung als Teil der internationalen Dorfbewegung (ERCA).

 

Weiterführende Informationen zum Thema wie Parlamentarische Initiativen, Reden, Publikationen oder Pressemitteilungen finden Sie über unsere Suche.

Mehr dazu