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Kinderarmut

Themenpapiere der Fraktion

Kinderarmut hat viele Gesichter. In der "Dritten Welt" überwiegt das Gesicht hungernder oder auf der Straße lebender Kinder. In Deutschland aber zeigt sich Kinderarmut überwiegend durch Ausgrenzung, schlechte Ernährung, mangelnden Bildungszugang, unzureichende ärztliche Versorgung und eingeschränkte soziale Beziehungen. Kinderarmut in einem der reichsten Länder hat viele Seiten.

Hauptursache für Kinderarmut ist die Einkommensarmut der Eltern. Durch die Ausweitung des Niedriglohnsektors und die Zunahme prekärer Beschäftigungslagen ist die Armut trotz sinkender Erwerbslosigkeit in den letzten Jahren angestiegen. Sozialleistungen wie Hartz IV schützen nicht vor Armut und Ausgrenzung. Jedes fünfte Kind lebt in Armut. In manchen Städten Ostdeutschlands oder des Ruhrgebiets lebt nahezu jedes zweite Kind in Armut. Kinder von Eltern mit Migrationshintergrund oder von Alleinerziehenden sind besonders von Armut betroffen.

Arme Kinder sind vom Leben in der Gesellschaft in vielen Bereichen ausgeschlossen: Kinobesuche, gute Schuhe, gesunde Ernährung, ein Musikinstrument, der Schwimmbadbesuch und vieles mehr auf das sie alltäglich verzichten müssen. Sie haben schlechtere Chancen auf Bildung und gesellschaftliche Teilhabe. Die Chancen, dass sie eine Hochschule besuchen werden, sind um ein vielfaches geringer. Arme Kinder werden oftmals die armen Jugendlichen von Morgen und die armen Eltern von Übermorgen. Dieser Kreislauf muss dringend durchbrochen werden.

Kinderarmut ist niemals losgelöst von der Situation der Eltern. Die an den Rand gedrängten Gruppen dieser Gesellschaft müssen nachhaltig unterstützt werden. Um Armut zu vermeiden, müssen existenzsichernde Arbeitsplätze für die Eltern geschaffen werden und der Zugang zu Sozialleistungen muss entbürokratisiert und entsanktioniert werden. Die Hartz IV- Regelsätze sind deutlich zu erhöhen.  Die Entscheidungen der Regierung zu Kinderzuschlag, Kindergeld, Wohngeld und zum Ausbau des Unterhaltsvorschusses sind zur Verhinderung von Kinderarmut unzureichend. Es braucht eine gesamtgesellschaftliche Antwort. Der Sozialstaat insgesamt muss ausgebaut werden und den Ausbau der sozialen Infrastruktur umfassen. Und wir brauchen eine starke Kinder- und Jugendhilfe, die allen Kindern und Jugendlichen Zugang zu gesellschaftlichen Räumen anbietet, die sie selbst mitgestalten können, sowie sie bei individuellen Problemlagen unterstützten kann.

Die LINKE streitet für eine Kindergrundsicherung, die alle Kinder und Jugendlichen vor Armut schützt und ihnen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht:

  • 328 Euro Kindergeld bilden gemeinsam mit einer guten sozialen Infrastruktur und einer starken Kinder- und Jugendhilfe das Fundament der eigenständigen Kindergrundsicherung. Damit machen wir deutlich: jedes Kind ist uns gleich viel wert.
  • Für all diejenigen Kindern, bei denen 328 Euro nicht reichen, sie aus Armut zu befreien und ihnen Teilhabe zu ermöglichen, bauen wir die bestehenden sozialstaatlichen Unterstützungssysteme aus und gestalten sie diskriminierungs- und sanktionsfrei.
  • Mit Familienstellen erleichtern wir den Zugang zu den ausgebauten Sozialleistungen. Hier findet Beratung statt und werden Familien bei der Beantragung von Sozialleistungen unterstützt. Bisher müssen viele verschiedene Ämter aufgesucht werden, Betroffene erhalten keine Unterstützung oder Beratung und erfahren oftmals Demütigung und Ausgrenzung.

 Die Überwindung von Kinderarmut ist möglich!


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