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Gesundheitsforschung

Themenpapiere der Fraktion

 

Nur zehn Prozent der Forschungsaufwendungen der Pharmaunternehmen fließen in 90 Prozent der globalen Gesundheitsprobleme. So sterben jährlich zwei Millionen Menschen an Malaria, weil ihnen der nötige Zugang zu den unbezahlbaren und patentierten Arzneimitteln fehlt. Auf der anderen Seite verdienen Firmen Milliarden an Blockbustern für Wohlstandsleiden wie Haarausfall, Schlaf- oder Erektionsstörungen. Nur auf Europa, die USA und Japan entfallen 83% des weltweiten Arzneimittelverbrauchs.

Auch die Bundesregierung setzt mit ihrem Gesundheitsforschungsprogramm zuallererst auf neue Medikamente und Medizintechnik. Mit der „Pharma-Initiative für Deutschland“ haben unternehmensgeführte Forschungskonsortien mit 800 Millionen Euro eine fette Spritze bekommen. Bayer, BASF, Merck und ähnliche Unternehmen profitieren von dieser falschen Subventionspolitik. Allein Merck verdiente im Jahr 2010 vor Steuern 1,11 Milliarden Euro.

Wir verstehen Gesundheit in einem umfassenden Sinne, nicht vorrangig als Markt der Gesundheitswirtschaft. Sie hat nicht nur medizinische, sondern berücksichtigt gleichermaßen soziale, ethische, epidemiologische und ökonomische Aspekte. Es geht uns um Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit und Gesundheitsversorgung statt nur um die Wahrung ökonomischer Effizienz und maximaler Wertschöpfung.

Auch steht die Fraktion DIE LINKE für eine andere politische Schwerpunktsetzung in der Gesundheitsforschung. Wir setzen auf Präventions-, Pflege- und die Versorgungsforschung, insbesondere in Bezug auf „Volkskrankheiten“ wie Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen.

Weiterhin werden Gelder benötigt, um die Gesundheitswissenschaften („Public Health“) und die nichtkommerzielle klinische Forschung zu stärken. Die Bundesregierung wendet für nichtkommerzielle klinische Studien bisher nur etwa 20 Millionen auf. Das Missverhältnis zur Pharmainitiative ist unübersehbar. Eine industrieunabhängige Expertise ist aber für die Entwicklung eines guten Gesundheitssystems und im Interesse der Gesundheit Aller unabdingbar. Deshalb fordert die Fraktion DIE LINKE, dass in den kommenden Bundeshaushalten die nichtkommerzielle klinische Forschung an den Universitätsklinika schrittweise mit 500 Millionen gestärkt wird. Innerhalb dieser Förderung soll auch ein Förderschwerpunkt zur Bekämpfung vernachlässigter, armutsbedingter Krankheiten entstehen.

DIE LINKE setzt sich dafür ein, dass medizinischer Fortschritt nicht nur den Zahlungskräftigen, sondern allen Bürgern zu Gute kommt. Die gerechte Verteilung knapper Gesundheitsressourcen ist daher eine zentrale ethische und soziale Herausforderung der kommenden Jahre. Auch müssen die Sozialversicherungen in die Gesundheitsforschung einbezogen werden. Nur so kann Versorgung verbessert sowie eine patientenorientierte und interdisziplinäre Forschung gestärkt werden.

Die Gründung der neuen Gesundheitsforschungszentren haben wir kritisch begleitet. Einerseits ist die Bündelung von Kapazitäten und die Kooperation über Klinikgrenzen hinweg richtig, andererseits entsteht in den neuen Zentren eine Hierarchie und Bürokratie, die der Leistungsfähigkeit abträglich sein  könnte. Für uns ist entscheidend, dass die jahrelangen Investitionsstaus und die strukturelle Unterfinanzierung der Universitätsklinika endlich beseitigt werden und eine freie Grundlagenforschung an Klinika überhaupt wieder stattfinden kann.

Außerdem will die Fraktion DIE LINKE die Erforschung neurodegenerativer Krankheiten stärker in den Blick nehmen. Angesichts 1,2 Millionen Demenzerkrankungen in Deutschland brauchen wir nicht nur ein grundlagenorientiertes Demenzforschungszentrum als Vorzeigeprojekt der Bundesregierung, sondern eine enge Verzahnung mit der Versorgung der Betroffenen.

Nicht zuletzt bedürfen die Regelungen zu den Arzneimittelpatenten auf europäischer und internationaler Ebene einer dringenden Überarbeitung. Denn: Patente können tödlich sein. Die großen Firmen sollen deshalb endlich Medikamente zur Produktion von Generika freigeben, damit HIV/AIDS, Malaria und andere Krankheiten bekämpft werden können. Mit öffentlichen Mitteln geförderte Forschung soll im Rahmen des „equitable licensing“ zu sozialen Konditionen an ärmere Länder und Generikaproduzenten abgegeben werden. Produktentwicklungspartnerschaften sind nachhaltig und in voller Breite des Krankheitsspektrums zu unterstützen.