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Filmerbe

Themenpapiere der Fraktion

Von „Metropolis“ über „Lola rennt“ bis zur Berliner Schule – Film ist mehr als eine Ware. Film ist Teil unseres kulturellen Erbes. Dieses Erbe für zukünftige Generationen zu erhalten und verfügbar zu machen, stellt eine große kulturpolitische Herausforderung dar. Nicht zuletzt, weil es teuer und aufwändig ist, Filmmaterial zu erhalten. Das gilt nicht nur für Zelluloid, sondern auch für Magnetbänder.

Digitale Langzeitarchivierung wird in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen. Sie steckt noch in den Kinderschuhen, es liegen kaum Erfahrungen vor. Sicher ist jedoch, dass die Kosten für den langfristigen Erhalt von Filmen auch durch die Digitalisierung nicht nennenswert sinken werden. Geld dafür steht aber kaum zur Verfügung. Seit 2017 stellt die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien 2 Mio. Euro  für „Maßnahmen zum Erhalt des Filmerbes“ bereit, in den Jahren davor war es lediglich 1 Mio. Euro jährlich. Die Filmförderungsanstalt als Repräsentantin der Filmbranche sah in ihrem Haushalt seit 2012 ebenfalls gerade einmal 1 Mio. Euro pro Jahr dafür vor, 2016 erhöhte sie diese Summe auf 2 Mio. Euro.

Die Filmförderungsanstalt (FFA) hat sich Mitte 2015 den Finanzierungsvorschlag der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) zur Digitalisierung des Filmerbes in Höhe von 10 Mio. Euro pro Jahr mit einer Laufzeit von zehn Jahren zu eigen gemacht und damit zumindest Bedarfsdringlichkeit signalisiert. Das Gutachten geht jedoch davon aus, dass langfristig aufgrund der Digitalisierung keine Archivierung der Originale notwendig ist. Dies stieß und stößt auf heftigsten Widerspruch der Filmarchive.

Aus Sicht der Fraktion DIE LINKE im Bundestag ist also mehr denn je eine gesamtstaatliche Strategie und ein Konzept zur Sicherung, Digitalisierung und Zugänglichmachung des deutschen Filmerbes vonnöten, welches die Ergebnisse des PwC-Gutachtens aufnimmt und um den Erhalt der Originale ergänzt. Aus diesem Grund haben wir dazu den Antrag „Nachhaltige Bewahrung, Sicherung und Zugänglichkeit des deutschen Filmerbes gewährleisten“ eingebracht.

Bund und Länder führen bisher noch immer Gespräche über eine Digitalisierungsstrategie für das deutsche Filmerbe, deren Ziel eine jährliche Fördersumme von 10 Mio. Euro ist. Weitere Maßnahmen sollen vorbereitet und konzipiert werden, die Umsetzung scheitert bisher an Fragen der Finanzierung.

Nach Schätzungen sind bereits 80% aller Stummfilme verschollen oder endgültig verloren. Kriege, aber auch der natürliche Zerfall des Filmmaterials (zunächst Nitro, später Acetat)haben zu dramatischen Verlusten geführt. Rund ein Viertel aller vor 1950 produzierten Tonfilme ist heute schon nicht mehr auffindbar. Teilweise reichen die Verluste bis in die 1990er Jahre hinein. Und noch immer gibt es in Deutschland keine Pflichthinterlegung für Filme –anders als für Bücher, die von der Deutschen Nationalbibliothek lückenlos gesammelt werden.

In unserem Antrag fordern wir bis spätestens Mitte 2017 eine gesamtstaatliche Strategie für die Digitalisierung des Filmerbes vorzulegen. Dabei sollen die Länder, die Filmwirtschaft und die Archive in die Abstimmung einbezogen werden. Die Fraktion erwartet auch belastbare Kostenkalkulationen für die unterschiedlichen technischen Möglichkeiten der Digitalisierung und der Langzeitarchivierung. Die Archive sollten in die Lage versetzt werden, die notwendigen Restaurierungen am Originalmaterial vornehmen zu können.

Das Filmerbe solle dabei barrierefrei zugänglich und nutzbar gemacht werden, Filmkopierwerke sollten subventioniert werden, um ihren Bestand langfristig zu sichern. Wir fordern zudem, dass auch das beim Bundesarchiv arbeitende bundeseigene Schwarz-weiß-Kopierwerk erhalten werden soll.

DIE LINKE hat vorgeschlagen, eine Verpflichtung zur Einlagerung aller öffentlich aufgeführten Filme im Bundesfilmarchiv zu schaffen. Für deren Erhalt und Archivierung sollten jährlich Mittel in Höhe von zehn Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt eingesetzt werden. Zusätzlich sollten die Bundesländer und  die Filmwirtschaft zu einer Abgabe in gleicher Höhe verpflichtet werden.

Über die Beteiligung des Kinopublikums durch eine zweckgebundene Abgabe auf jede Kinokarte in Höhe von 5 Cent müsste ergänzend nachgedacht werden, zumal laut Filmförderungsanstalt (FFA) die deutschen Kinos im Jahr 2014 Bruttoeinnahmen in Höhe von knapp 980 Mio. Euro erzielen konnten. Die Anzahl der Besucherinnen und Besucher lag im gleichen Jahr bei rund 121,7 Millionen.

Innerhalb von zehn Jahren würden auf diesem Wege 300 Millionen Euro zusammenkommen. Der Betrag orientiert sich am Umfang der zur Zeit noch vorhandenen Bestände und an Kalkulationen der mit ihrem Erhalt betrauten Institutionen. Filmarchive und Gedächtnisorganisationen fordern seit Langem eine umfassende Digitalisierungsstrategie für das deutsche Filmerbe. Wie die Experten sagen: „Nitrate won’t wait“. Es ist höchste Zeit zu handeln.

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