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Ernährung

Themenpapiere der Fraktion

Wir brauchen endlich eine Ernährungspolitik für Verbraucherinnen und Verbraucher und nicht für Konzerne. Essen und Gesundheit hängen zusammen. Ernährungsbedingte Erkrankungen wie Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Störungen nehmen weiter zu. In Deutschland sind gut die Hälfte der Frauen und zwei Drittel der Männer übergewichtig. Schon jedes siebte Kind ist bereits von Übergewicht betroffen. Gleichzeitig hat der Zuckerkonsum enorm zugenommen. Deutsche nehmen heute doppelt so viel Zucker zu sich, wie es für die Gesundheit zuträglich wäre. Bundesregierung und Lebensmittelwirtschaft schieben die Verantwortung für diese Entwicklung allein den Verbraucherinnen und Verbrauchern in die Schuhe. Tatsache ist, Verbrauchertäuschung und irreführende Werbung sowie versteckte Dickmacher in Fertiglebensmitteln sorgen dafür, dass wir immer ungesünder essen.

Gleichzeitig nimmt die Lebensmittelwirtschaft Einfluss auf die Politik und Wissenschaft. Die Lebensmittelindustrie beeinflusst wissenschaftliche Studien über die Gesundheitsrisiken von Zucker zu ihren Gunsten. Hinzu kommen unverständliche Lebensmittelinformationen und eine völlig unzureichende Ernährungsbildung in Schulen und Kitas. Lebensmittelkonzerne und der Handel nehmen Ernährungserkrankungen schon bei Kindern zugunsten ihrer Profitinteressen in Kauf.

Besonders problematisch ist die Beeinflussung unserer Kinder durch Werbung. Sie werden im Familien- und Freundeskreis, in Schulen und Kindergärten und beim Sport mit süßen, salzigen und fetten Snacks beworben. Die Lebensmittelwirtschaft nutzt bewusst die Finanznot der Schulen, um Einfluss auf Unterrichtsmaterial zu nehmen. Da Werbung immer verkaufsfördernd ist, beeinflusst sie auch unsere Ernährungsweise und ist mitverantwortlich für das Problem von Übergewicht und ernährungsbedingten Erkrankungen.

Lebensmittel-Informationen über müssen deshalb für die Verbraucherinnen und Verbraucher leicht verständlich, schnell erfassbar und vergleichbar sein. Zudem muss sichergestellt werden, dass sich die Sachinformationen klar von den einseitigen Werbeaussagen absetzen. DIE LINKE fordert deshalb die Einführung der Nährwert-Ampel. Sie ermöglicht sachliche Kaufentscheidungen auf einfache und verständliche Art und unterstützt eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Dabei werden mit den Ampelfarben grün, gelb und rot niedrige, mittlere bzw. hohe Gehalte von Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz auf der Vorderseite der Verpackung angegeben.

Die Bundesregierung muss auch den Einfluss der Lebensmittellobby auf die Ernährungspolitik und -forschung zu unterbinden und die Interessen und Rechte der Verbraucherinnen und Verbraucher für eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu stärken. Bei allen Ernährungs-, Bewegungs- und Gesundheitsprojekten des Bundes ist ein striktes Kooperationsverbot der teilnehmenden Akteure mit der Lebensmittelindustrie und ihren Lobbyverbänden sicherzustellen. Die unabhängige Ernährungsforschung ist zu stärken und auszubauen.

Kinderwerbung für Fertiglebensmittel, Fastfood, Süßwaren, salzige Snacks und Softdrinks ist einschließlich der Werbung mit Comicfiguren, Prominenten und Szenen aus der kindlichen Erlebniswelt komplett zu verbieten. Wir brauchen ein Verbot der direkten und versteckten Werbung in Erziehungs- und Bildungseinrichtungen. Das Werben mit einem vermeintlich gesundheitlichen Zusatznutzen bei Fertiglebensmittel mit einem hohen Gehalt an Salz, Zucker oder Fett gehört verboten. Außerdem fordern wir eine verbindliche Strategie zur Reduzierung von Zucker, Fett und Salz in Fertiggerichten.

Der Bund soll sich zudem dafür einsetzen, dass bundesweit alle Kinder und Jugendlichen in Kitas und Schulen mit Ganztagsangebot eine beitragsfreie und hochwertige Essensversorgung erhalten.