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Bioenergie

Themenpapiere der Fraktion

Fossile Rohstoffe, wie Kohle, Öl und Gas, schaden dem Klima und wachsen nicht nach. Mittel- und langfristig steigen die Preise für Energierohstoffe, insbesondere für Benzin und Diesel. Als alternativer Energieträger scheinen „Bioenergien“ einen Ausweg aus der Sackgasse zu bieten. Jedoch: Für die Nutzung von Bioenergie aus Anbaupflanzen stehen in Deutschland und Europa nur begrenzt Böden zur Verfügung. Der enorme Flächendruck – aus der Nachfrage nach Agrokraftstoffen sowie aus dem Biogas-Boom – hat hierzulande die Flächenpreise so ansteigen lassen, dass manch Ökobauer den Versuch aufgegeben hat, sich zusätzliche Flächen zu kaufen oder zu pachten. Wir haben ferner infolge von Monokulturen bei Energiepflanzen ernstzunehmende Probleme mit der biologischen Vielfalt und mit dem Grundwasserschutz.

Nur ein Bruchteil der von der Bundesregierung und der EU angestrebten Biosprit-Anteile kann daher über die vorhandenen Flächen in Europa nachhaltig erzeugt werden. Die überhöhten Ziele werden nur erreicht, wenn auf massiven Importen von Agrarkraftstoffen oder entsprechenden biogenen Rohstoffen gesetzt wird. Weltweit steht der Anbau von Energiepflanzen aber in Konkurrenz zum Anbau von Pflanzen für die Nahrungsmittelproduktion. „Tank oder Teller“ ist hier die existentielle Frage. In den Ländern des Südens führt der Prozess zudem – direkt oder indirekt – zu vermehrten Regenwaldrodungen und/oder Vertreibungen von Kleinbauern. Umwelt- und Sozialstandards werden hier regelmäßig verletzt. Ein internationales Zertifizierungssystem für nachhaltig angebaute Energiepflanzen ist nicht wirklich kontrollierbar und wird kaum greifen.

Ferner hat der Internationale Rat für nachhaltige Ressourcennutzung errechnen lassen, dass ein Liter Biodiesel aus Palmöl bis zu 800 Prozent mehr Treibhausgase erzeugt als ein Liter aus Erdöl. Der Naturschutzbund Deutschland spricht von einer Biodieselgate und verweist darauf, dass die Klimabilanz des Verkehrs mit Palmöl im Diesel noch verheerender wird.

Was fordert DIE LINKE?

Unter den Gesichtspunkten des Klimaschutzes und der Energieeffizienz sollte Deutschland bei der energetischen Verwendung von Biomasse künftig auf Biogas anstatt auf flüssige Agrarkraftstoffe setzen. Mit Biogas kann – am besten hocheffizient in KWK-Anlagen - Strom und Wärme produziert, und somit klimaschädliche Kohle abgelöst werden. Die eingesetzte Biomasse wird dabei dreimal wirksamer genutzt als beim vermeintlichen Biosprit. Solche flexiblen Kraftwerke sind vor allem dafür geeignet, die naturgemäß schwankende Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom abzufedern. In der Grundlastabdeckung haben sie dagegen nichts zu suchen, denn Biomasse ist ein knappes Gut.

Bioenergien sollten zudem stärker aus Abfall- oder Reststoffen hergestellt werden, aber dieses Potential ist ebenfalls begrenzt. Auch darum ist eine Wende in der Verkehrspolitik unausweichlich, die zu einem sinkenden Kraftstoffbedarf beiträgt. Ein nutzerfreundlicher öffentlicher Nahverkehr und eine attraktive Bahn müssen geschaffen und überflüssige Verkehre vermieden werden. Der notwenige Restverkehr ist vorrangig durch Elektromobilität zu decken.

Als LINKE befürworten wir allerdings die Nutzung von Pflanzenölen unter bestimmten Bedingungen. Wir finden, Pflanzenöle sollten jenseits der Nutzung als Nahrungsmittel vorrangig in landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen sowie im Öffentlichen Nahverkehr als Rein-Kraftstoff eingesetzt werden. Also immer im regionalen Kontext, nicht als Beimischung in jeglichem Verkehr. In diesem Sinne geht zumindest die von der EU vorgesehene Absenkung des Anteils der Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse von 7 Prozent im Jahr 2020 auf 3,8 Prozent in 2030 in die richtige Richtung. Der regionale Einsatz in der Landwirtschaft korrespondiert auch gut mit dem anfallenden Eiweißfutter als Nebenprodukt der Ölproduktion. Es kann im vielfach gleich vor Ort und ohne lange Transportwege verfüttert werden. Unter diesen Voraussetzungen unterstützen wir auch auf eine steuerliche Begünstigung von Pflanzenölen.

Wir sehen zudem eine Einsatzmöglichkeit von Pflanzenölen dort, wo man aus Gründen des Naturschutzes unschädliche Kraftstoffe braucht, die Wasser und Boden kaum schädigen, wie etwa bei der Sportschifffahrt oder in Gerätschaften, die in Naturschutzgebieten eingesetzt werden.

Zusammenfassen fordert DIE LINKE eine grundlegende Überprüfung der deutschen und europäischen Biosprit-Ziele. Die immer noch überhöhten Quoten gehen zu Lasten von Natur und Klimaschutz. Notwendig ist ein Importverbot für Agroenergien und die Beschränkung auf einheimischen Anbau.

 

Siehe auch Positionspapier "Keine Agroenergien aus Raubbau oder Vertreibung"

Zusätzliche Informationen bieten die Themen EnergiewendeErneuerbare Energien und Landwirtschaft.

 

 


 

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