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Wohnungsnot für Studenten

erschienen in Klar, Ausgabe 32,

490 Euro für ein Zimmer

Diesen Studienanfang wird Anne Kugener nicht so schnell vergessen. Anfang Oktober 2013 war das. Die 20-Jährige hatte gerade ihre Zulassung zum Studium der Geografie in Freiburg bekommen und suchte eine Wohnung. Nur wenige Tage bis zum Studienbeginn blieben ihr. Mehr als 50 Wohngemeinschaften schrieb sie an – ohne Erfolg. Die Zeit rannte ihr davon.

Fast mit Vorlesungsbeginn dann ihr erster Besichtigungstermin: Ein schön renovierter Altbau in der Nähe des Stadtzentrums, doch das Zimmer ist teuer. 490 Euro pro Monat verlangt der Vermieter. 100 Euro mehr, als ihre Vormieterin bezahlen musste. Einen Grund für die Mieterhöhung gibt es nicht. Die Vierer-WG gefällt der Studentin nicht, nur Frauen dürfen darin wohnen, aber sie hat keine Alternative. Sie unterschreibt den Vertrag, obwohl sie sich die Miete kaum leisten kann.

Das Mietenproblem in Freiburg ist kein Einzelfall. Überall in Deutschland steigen die Mieten und studentische Wohnungsnot ist längst nicht mehr nur ein Problem der teuren Großstädte wie Köln oder München, in denen für ein Zimmer mitunter mehr als 500 Euro fällig sind.

Auch in kleineren Städten wie Würzburg, Bamberg oder Münster ist die Zahl der bezahlbaren Wohnungen knapp. In Mannheim organisiert der Studierendenverband Die Linke.SDS deshalb seit anderthalb Jahren einen »Ersti-Notruf«, bei dem Studierende Hilfe bei der Wohnungssuche und bis zu einer Woche eine Privatunterkunft vermittelt bekommen. In anderen Städten gibt es studentische »Couchsurfing-Angebote«.

Laut Studentenwerk fehlen in Deutschland 45.000 Plätze in Studentenwohnheimen.

»Der Studienbeginn wird immer schwieriger, da sich die Studienanfänger nicht nur in das Studium einarbeiten müssen, sondern parallel auch noch in Übergangslösungen wohnen oder campen müssen«, meint Katharina Mahrt vom Bundesvorstand des fzs (freier zusammenschluss von studentInnenschaften).

Bundesweit hat sich die große Koalition von CDU und SPD mittlerweile zwar auf eine Mietpreisbremse geeinigt, die jedoch den Mietenanstieg nicht stoppt, sondern nur verringert. Max Manzey vom Berliner Bündnis »Studis gegen hohe Mieten« setzt sich deshalb für eine Gesetzesänderung ein: »Nur eine Mietpreisvollbremse kann die Immobilienspekulation und die Mietenerhöhungen stoppen.«

Zu Semesterbeginn demonstrierte Anne Kugener in Freiburg zusammen mit KommilitonInnen für mehr bezahlbare Wohnungen. Ende Januar 2014 hat sie nach vier Monaten einen Platz in einem Freiburger Studentenwohnheim bekommen – für 270 Euro im Monat. Die Wohnungsnot für zukünftige Generationen von Studierenden aber ist geblieben.

 

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