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„Wir wollen die Millionäre stärker besteuern“

Von Barbara Höll, erschienen in Klar, Ausgabe 19,

Steuerexpertin Barbara Höll (DIE LINKE) spricht über große Erbschaften und Vermögen.

Wieso ist trotz der Wirtschaftskrise die Zahl der Millionäre in Deutschland gestiegen?

Barbara Höll: Diese Regierung schont Reiche und Vermögende. Wir hingegen wollen die Vermögensteuer als Millionärsteuer wieder erheben und alle Vermögen über einer Million Euro mit fünf Prozent besteuern. Wir setzen uns für eine Finanztransaktionssteuer ein, mit der Wertpapier-, Derivate- und Devisenumsätze besteuert werden. Allein diese beiden Steuern brächten dem Staat jährlich bis zu 107 Milliarden Euro.

Ist es gerecht, dass Familien wie die Quandts und die Thyssens ihr Vermögen von Generation zu Generation vererben?

Vererben ist nicht schlimm, nur die soziale Gerechtigkeit muss gewahrt bleiben. Eine Erbschaft ist schließlich ein Zuwachs wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit ohne eigenes Zutun. Wir fordern daher eine Erbschaftsteuer, die es zum einen zulässt, dass ein Einfamilienhaus steuerfrei vererbt werden kann. Zum anderen muss sie dafür sorgen, dass größere Vermögen viel stärker als bisher besteuert werden. Die Bundesländer nähmen so bis zu sechs Milliarden Euro zusätzlich ein.

Sie wollen außerdem die Körperschaftsteuer auf 25 Prozent anheben.

Die Steuern, die Unternehmen in Deutschland zahlen, sind im internationalen Vergleich gering. Das liegt an einer Vielzahl von Möglichkeiten, den tatsächlichen Steuerbetrag zu senken. Auch besagen Schätzungen, dass der Staat allein durch einen konsequenteren Steuervollzug, etwa  durch mehr Betriebsprüfer und Fahnder, jährlich bis zu 30 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung hätte.

Barbara Höll ist steuerpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE

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