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„Wir wollen, dass gute Arbeit gut bezahlt wird“

Von Jutta Krellmann, Sabine Zimmermann, erschienen in Klar, Ausgabe 27,

Über Mindestlohn, Leiharbeit und Maßnahmen gegen prekäre Beschäftigung sprechen die Arbeitsmarktexpertinnen Jutta Krellmann und Sabine Zimmermann (beide DIE LINKE) im Klar-Interview.

Was macht Sie beim Thema Arbeit zurzeit besonders wütend?

Jutta Krellmann: Arbeit wird immer prekärer, immer unsicherer und ungeregelter. Zu den 7,4 Millionen Minijobbern kommen rund 870 000 Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter sowie immer mehr Werkvertragsbeschäftigte. Die Zahl der befristeten Arbeitsverhältnisse nimmt stetig zu.

Sabine Zimmermann: Viel zu viele Menschen können von ihrer Arbeit kaum noch leben. Fast acht Millionen Beschäftigte arbeiten zu Niedriglöhnen, 60 Prozent von ihnen sind Frauen.

 

Mit welchen Maßnahmen wollen Sie den Trend zu befristeten, unsicheren Arbeitsverhältnissen stoppen?

Zimmermann: Wir müssen den Arbeitsmarkt vom Kopf auf die Füße stellen. Die Agenda 2010 hat zu Beginn des Jahrhunderts zu einem Boom von Leiharbeit, Minijobs und Niedriglöhnen geführt. Wir wollen den Arbeitsmarkt gesetzlich neu ordnen und so wieder für mehr gute Arbeit sorgen.

Krellmann: Bei der Leiharbeit muss zunächst der Grundsatz gelten: gleiches Geld für gleiche Arbeit plus ein Flexibilitätsaufschlag von zehn Prozent. Damit würde der Einsatz von Leiharbeit als Ersatz für reguläre Beschäftigung unattraktiv. Mittelfristig wollen wir die gewerbsmäßige Arbeitnehmerüberlassung ganz verbieten.

 

Was kritisieren Sie an den Minijobs? Schließlich sind etliche Minijobber froh, dass sie sich etwas hinzu-verdienen können.

Krellmann: Arbeitgeber nutzen Minijobs systematisch, um reguläre Beschäftigung zu ersetzen und Löhne zu drücken. Im Handel sind aus Vollzeitjobs viele Minijobs gemacht worden.

Zimmermann: Minijob heißt auch, dass nicht die vollen Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden und die Beschäftigten unzureichend versichert sind. Wir wollen, dass ab dem ersten Euro Beiträge in die Sozialversicherungen gezahlt werden.

 

Ein gesetzlicher Mindestlohn würde vielen dieser Menschen helfen.

Krellmann: Er wäre ein erster Schritt auf dem Weg zu guter Arbeit, weil so eine absolute Untergrenze definiert wird.

Zimmermann: Und er würde zu höheren Einnahmen der Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung führen.

 

Die Unternehmerverbände hingegen warnen, ein Mindestlohn gefährde Arbeitsplätze.

Zimmermann: Das ist Unsinn! Der Mindestlohn sorgt dafür, dass die Menschen mehr Geld in den Taschen haben und mehr einkaufen können. Wird mehr produziert, schafft das Arbeitsplätze. 

 

Interview: Ruben Lehnert

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