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Willkommen im Finanz-Casino!

erschienen in Klar, Ausgabe 23,

Die Finanzmärkte haben die Staaten fest im Griff. Vor allem, weil die Politik die Finanzmärkte von der Kette ließ. Mit allem lässt sich heute Geld verdienen: Nahrungsmitteln, Staatspleiten oder Rohstoffen. Klar nimmt Sie mit ins Casino der Banken und Versicherungen und stellt Ihnen einige der wichtigsten Zocker und ihre Instrumente vor.

Private-Equity-Firmen – die Heuschrecken

Private-Equity-Firmen sind Beteiligungsgesellschaften. Sie kaufen mit geliehenem Geld gesunde Unternehmen auf, schlachten sie aus (z.B. durch Verkauf der besten Maschinen oder Patente) und überlassen dem Unternehmen die Schulden. Massenentlassungen sind dabei Routine, um schnell Profit zu machen. Vom Unternehmen bleibt dann oft nur noch das Gerippe übrig. Der Öffentlichkeit wurden diese Unternehmen besser bekannt durch das Wort »Heuschrecken«. So bezeichnete sie der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering. Was er jedoch verschwieg: Er selbst verkaufte als Verkehrsminister die staatliche Autobahnraststätten-Kette Tank & Rast an ein Konsortium, dem auch die »Heuschrecke« Apax angehörte.

 

Hedge-Fonds

Hedge-Fonds wetten auf steigende oder fallende Kurse von Wertpapieren. Weil Hedge-Fonds mit großen Summen und auf Kredit zocken, können sie die Finanzmärkte und ganze Staaten in den Abgrund reißen. Etwa dann, wenn sie sich verspekulieren, Pleite gehen und ihre Kredite nicht mehr bezahlen können. Bei ihren Kreditgebern wie Banken entstehen dann riesige Finanzlöcher, die dann beispielsweise über Rettungsschirme die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler stopfen müssen. So im Jahr 1998, als ein 7 Milliarden Dollar schwerer Hedge Fonds in den USA zusammenbrach und die US-Regierung sowie wichtige Großbanken einspringen mussten.

 

CDO – die faulen Kredite

Weltweit bekannt wurden CDO’s in der Bankenkrise 2008, als der amerikanische Immobilienmarkt zusammenbrach und die Finanzmärkte kollabierten. Im Kern geht es bei den CDO’s um Geschäfte mit Krediten. Genauer: um Kredite, die beispielsweise eine Bank an Kunden vergibt. Etwa an Menschen, die Häuser bauen, Autos kaufen oder Ähnliches. Aus diesen Krediten machen die Banken handelbare Wertpapiere und versuchen, diese zu verkaufen. Damit diese Wertpapiere sich aber verkaufen lassen, bündeln die Banken ganz verschiedene Kredite in einem Wertpapier. Vor allem deswegen, weil bei einigen Krediten oft unklar ist, wie diese eigentlich zurückgezahlt werden. Das war bei der US-Immobilienkrise so. Weil die Banken auch armen Privathaushalten Immobilienkredite gewährten, waren diese natürlich sehr unsicher. Deswegen bündelten die Banken diese Kredite mit ein paar sicheren. Diese Mischpakete, mit einigen faulen Inhalten, wurden dann so lange weiterverkauft, bis keiner mehr wusste, was eigentlich darinsteckt. Als dann die Menschen massenhaft ihre Kredite für ihre Häuser nicht mehr zahlen konnten, flog der Schwindel auf und verursachte vielerorts Milliardenverluste.

 

Wetten mit tödlichen Folgen – Spekulation auf Nahrung

Der letzte Schrei im Casino sind sogenannte Futures auf Lebensmittel und Rohstoffe. Mit einem Future lassen sich Rohstoffe wie z.B. Getreide im Voraus kaufen bzw. verkaufen. Das ergibt prinzipiell auch Sinn, denn so kann sich eine Brotfabrik eine Getreidelieferung in zehn Monaten reservieren. Damit sichert sie ihre Produktion gegen zukünftige Preisschwankungen ab und weiß mit Sicherheit, dass sie zum gewünschten Zeitpunkt ihre Lieferung erhält. Ursprünglich war diese Form des Handels weitestgehend auf Produzenten und Verarbeiter begrenzt. Dann aber ermöglichte die Politik auch reinen Finanzinvestoren dieses Geschäft. Aus dem realen Handel wurde ein Zockerinstrument, mit dem Lebensmittel- und Rohstoffpreise nach oben getrieben werden. Massenweise werden dann etwa Lebensmittelmengen gekauft, die Nachfrage wird künstlich angeheizt. Die Folge: Allein im Jahr 2010 stiegen die Nahrungsmittelpreise so um ein Drittel. Was für Investoren ein fettes Geschäft ist, bringt Millionen Menschen in den Entwicklungsländern Hunger und Tod, weil sie sich die Lebensmittel nicht mehr leisten können.

 

CDS – Wetten auf den Staatsbankrott

CDS oder Credit Default Swaps sind eine besondere Form der Kreditausfallversicherungen. Damit versichern sich Investoren etwa gegen einen Zahlungsausfall von Staaten. Sie zahlen eine Prämie und der Versicherer hofft, dass der Versicherungsfall nie eintritt. Das Problem: Diese Versicherungsprodukte lassen sich kaufen und verkaufen. Steigt die Nachfrage nach diesen Versicherungen, ist das ein Signal an die Finanzmärkte, dass ein Staatsbankrott wahrscheinlicher wird. Der strauchelnde Staat muss dann höhere Zinsen für neue Kredite zahlen und gerät erst recht in Schwierigkeiten. Spekulanten kaufen massenhaft diese Produkte, lassen den Eindruck eines drohenden Staatsbankrotts entstehen und verdienen etwa an den höheren Zinsen, die der herunterspekulierte Staat zu zahlen hat. Noch absurder: Mit sogenannten nackten CDS kann man sich gegen den Zahlungsausfall eines Landes versichern, selbst wenn man dem Land kein Geld geliehen hat. Das ist wie eine Feuerversicherung auf das Haus des Nachbarn: Wenn man es anzündet, macht man Kasse.

 

Leerverkäufe

Bei Leerverkäufen wetten Spekulanten auf fallende Kurse (Preise) von Aktien. Das funktioniert so: Ein Spekulant leiht sich von einem Fonds Aktien aus. Dafür zahlt er eine Leihgebühr. Die ausgeliehenen Aktien verkauft der Spekulant weiter. Zum Beispiel 1000 Aktien der Sorte X für jeweils 100 Euro pro Aktie, sprich 100.000 Euro insgesamt. Sinkt nun der Kurs der verkauften Aktie X, z.B. auf 80 Euro pro Aktie, dann kann der Spekulant diese Aktiensorte für nur 80.000 Euro auf dem Markt kaufen, um sie dem Fonds wieder zurückzugeben. Dadurch macht er einen Gewinn von 20.000 Euro abzüglich der Gebühr für die Ausleihe. Das Problem dabei: Leerverkäufe sind häufig eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Wenn etwa ein Hedge-Fonds mit seiner ganzen Feuerkraft viele Leerverkäufe einer Aktie tätigt, treibt dies den Preis der Aktie nach unten. Noch absurder: Es gibt sogar »ungedeckte« Leerverkäufe. Da haben sich die Spekulanten noch nicht einmal die Papiere geliehen.

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