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Wie wurde er, was er ist?

erschienen in Querblick, Ausgabe 11,

Auf der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen wurde 1910 auf Antrag der deutschen Genossinnen der Internationale Frauentag beschlossen. Nachdem es 1908 gelungen war, das Politikverbot für Frauen in Preußen und Bayern zu Fall zu bringen, stand nun für die Frauen das Wahlrecht auf der Tagesordnung. Da sie in Deutschland dafür weder in der SPD noch bei der bürgerlichen Frauenbewegung die notwendige Unterstützung fanden, organisierten sie sich internationale Solidarität.

Hunderttausende Frauen beteiligten sich am ersten Internationalen
Frauentag am 19. März 1911 in Deutschland. Die SPD sah darin eine Konkurrenz für den 1. Mai und tat in den nächsten Jahren alles, um die Durchführung zu verhindern. Aber selbst nach Kriegsbeginn ließen es sich die Frauen nicht nehmen, am 18. März 1915 die erste öffentliche Kundgebung gegen den Krieg vor dem Reichstag zu organisieren.

Nachdem die deutschen Frauen 1918 mit der Novemberrevolution das Wahlrecht erhalten hatten, demonstrierten sie für andere Forderungen am Internationalen Frauentag. 1922 wurde der 8. März als Datum von der Kommunistischen Fraueninternationale festgelegt, um daran zu erinnern, dass an diesem Tag mit einem Arbeiterinnenstreik die russische Revolution von 1917 begonnen hatte.

In der DDR wurde am 8. März die Gleichberechtigung gefeiert, in der BRD fiel er unter Antikommunismus. Erst mit der neuen Frauenbewegung ab 1968 wuchs wieder die Beteiligung. Und heute? Frauenfrühling, Frauenmessen, Frauenball ... Auch wenn nichts gegen neue Formen und Vielfalt spricht, bleiben das gemeinsame Eintreten für internationale Frauensolidarität und Antworten auf die immer noch ungelöste Frauenfrage.
Claudia von Geliéu

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