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Wer hat Angst vor Rot-Gelb-Grün?

erschienen in Querblick, Ausgabe 10,

Fehlernährung und Übergewicht sind längst ein massives Problem der modernen Industriestaaten. Süßigkeiten, Limonaden und Softdrinks, Frühstücksflocken und Fertiggerichte sind ein Milliardengeschäft. Deshalb trickst die Lebensmittelindustrie seit Jahren und verschleiert mit Begriffen wie »kalorienarm« oder »light«. Zuckerbomben werden mit dem Slogan »Null Prozent Fett« angepriesen.

Viele Menschen haben zwar eine Vorstellung von einer gesunden, ausgewogenen Ernährung. Oft fällt es ihnen aber schwer, sich danach zu richten. Das geht schon beim Einkauf los. Untersuchungen haben ergeben, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher mit den Nährwertangaben auf den Verpackungen wenig anfangen können und sich eine schnelle Orientierungshilfe wünschen.

Die Fraktion DIE LINKE und viele Verbraucherorganisationen fordern deshalb die Einführung des sogenannten Ampelmodells nach britischem Vorbild für alle industriell gefertigten Lebensmittel. Dabei wird durch farbige Kennzeichnung auf den ersten Blick klar, ob der Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Salz und Zucker in einem Produkt hoch, mittel oder gering ist. Rot zeigt dabei – gemessen am Tagesbedarf – einen hohen Anteil an einem oder mehreren »Dickmachern« an. Dieses Produkt sollte also nur sehr bewusst und nur gelegentlich konsumiert werden. Gelb bedeutet: Es ist in Ordnung, es häufiger zu essen. Grün zeigt die gesündere Wahl an.

Die Erfahrungen in Großbritannien zeigen, dass die Ampelkennzeichnung eine gute Hilfe ist, die von den Verbraucherinnen und Verbrauchern gerne angenommen wird. Aber weil dadurch etliche Fertigprodukte mit ihren versteckten Fetten wie Blei in den britischen Supermarkt-Regalen liegen bleiben, läuft die Lebensmittelindustrie Sturm gegen die Ampel und will sie hierzulande unbedingt verhindern. Inzwischen hat sie sogar ein eigenes freiwilliges Kennzeichnungsmodell erfunden, das aus dekorativen Gründen ebenfalls farbig unterlegt ist. Die Nährwertangaben orientieren sich dabei häufig an völlig unrealistischen Portionsgrößen und an den Verzehrempfehlungen lobbyeigener Forschungsinstitute. Die Aussagekraft des komplizierten Industrie-Modells ist also begrenzt. Es reiht sich nahtlos in die Reihe der vielfältigen Verschleierungsmanöver der Lebensmittelindustrie ein.
Wir meinen: Kalorienbomben müssen beim Einkaufen auf den ersten Blick zu erkennen sein.

Wer gesundheitsbewusstes Ess- und Einkaufsverhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern unterstützen will, kommt an einer verständlichen, einheitlichen und vor allem rechtlich verbindlichen Kennzeichnung von verarbeiteten Lebensmitteln nicht vorbei. Also her mit der Ampel!
Karin Binder, MdB, Sprecherin für Verbraucherpolitik der Fraktion DIE LINKE

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