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Wenn am Ende nichts bleibt

erschienen in Lotta, Ausgabe 2,

Rente mit 67 – seit Januar 2012 ist sie in Kraft. Jahr für Jahr wird das Renteneintrittsalter um einen Monat erhöht. Für viele Frauen ist das die Aussicht auf Armut im Alter. 

Zwischen Ute Eichhorn und Elisabeth Schwardt liegen vier Jahrzehnte. Die eine ist

 71 Jahre alt, die andere 31. Die Ältere bezieht längst Rente, kann davon aber nicht leben und geht deshalb immer noch arbeiten. Die Jüngere ahnt, selbst wenn sie die nächsten 36 Jahre in Lohn und Brot bleiben sollte, wird die Rente am Ende kärglich ausfallen. Dabei sind beide Frauen gut ausgebildet. Ute Eichhorn lernte Apothekenhelferin, studierte, wurde Pharmazieingenieurin. Sie bekam Kinder und beides unter einen Hut: den Job und die Familie. Auf dem Rentenbescheid standen dann 737 Euro monatlich. Zu wenig für die alleinstehende Frau. Zu wenig für Miete, Strom, Versicherung, Telefon, Lebensmittel und die Tausend kleinen Dinge im Alltag. Also geht Ute Eichhorn weiter in die Apotheke, zweimal die Woche.

Elisabeth Schwardt wählte auch einen frauentypischen Beruf. Sie lernte Erzieherin, studierte Sozialpädagogik. Ihr Anfangsgehalt betrug 1.000 Euro. Nach der Einarbeitungszeit

1.500 Euro brutto. »Damit überlebt man irgendwie! Mehr aber ist nicht drin«, sagt Elisabeth Schwardt und fügt hinzu: »schon gar nicht für eine private Vorsorge.«

Beide Frauen sind keine Einzelfälle. Geringe Löhne haben zwangsläufig geringe Renten zur Folge. Das Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg/Essen listet in seinem aktuellen Report dramatische Trends auf. 2010 arbeitete jede oder jeder Vierte im Niedriglohnbereich. Nach neuesten Berechnungen beginnt der Niedriglohn bei einem Verdienst von weniger als 9,15 Euro. Der tatsächliche Durchschnittslohn war 2010 ohnehin wesentlich niedriger. Rund vier Millionen Menschen bekommen weniger als sieben Euro die Stunde und 1,4 Millionen Beschäftigte sogar weniger als fünf Euro. Dabei besitzt die große Mehrheit der Niedriglohnbeschäftigten eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen akademischen Abschluss.

Eine Anfrage der Fraktion DIE LINKE im Bundestag ergab, dass Mitte letzten Jahres 7,4 Millionen Menschen auf 400-Euro- Basis jobbten. Davon waren knapp 4,65 Millionen Frauen. Gut zwei Drittel von ihnen haben ausschließlich diesen Minijob. Das Bundesarbeitsministerium errechnete nun, dass eine Minijobberin, die ein Jahr lang tätig ist, eine monatliche Rente von 3,11 Euro erwirbt. Das ergibt unterm Strich nach 45 Versicherungsjahren einen Rentenanspruch von 139,95 Euro im Monat. Generell tragen Frauen ein höheres Risiko, im Alter arm zu sein. Einmal, weil sie im Durchschnitt weniger verdienen als Männer. Zum anderen, weil das Arbeitsleben von Frauen völlig anders verläuft. Viele arbeiten zunächst drei bis fünf Jahre im gelernten Beruf, bekommen dann Kinder, und kehren sie zurück in den Beruf, gehen die meisten einer Teilzeitbeschäftigung nach. Wer dann noch – so wie viele Schlecker-Verkäuferinnen – mit Anfang oder Mitte 50 entlassen wird, findet kaum eine Anschlussbeschäftigung. Für solche Frauen wird die monatliche Rente kaum höher als 500 Euro sein.

In der Studie des IAQ ist nachzulesen, nur wer monatlich einen Verdienst von 1.526 Euro brutto hat, die Summe kontinuierlich über 45 Beitragsjahre hinweg verdient, wird am Ende eine Rente auf Grundsicherungsniveau erhalten. Die beträgt zur Zeit 684 Euro. Das wird keine Friseurin, Floristin oder Arzthelferin erreichen. Gute und gerechte Löhne sind somit die Voraussetzung für eine gute Rente, sagt DIE LINKE und fordert statt prekärer Beschäftigung (Minijobs, Leiharbeit, Ein-Euro-Jobs, Aufstockerbeträge) sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze und einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn. Ansonsten werden am Ende eines langen Berufslebens viele Menschen auf die Grundsicherung des Staates und damit auf Almosen im Alter angewiesen sein.

 

 

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