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Warum die Wirtschaft weltweit abstürzt

erschienen in Klar, Ausgabe 14,

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise erscheint wie ein Virus im Computersystem. Rasend schnell breitet sie sich weltweit aus und steckt immer mehr Länder an. Aber die Weltwirtschaft ist kein Computernetz, in das böswillige Hacker ein Virus eingespeist haben. Der Fehler liegt im System selbst.

In einigen Staaten, beispielsweise in Deutschland, wurde die Wirtschaft mit sinkenden Löhnen und staatlichem Sparkurs auf Export getrimmt. In der Krise schwächelt die Nachfrage aus dem Ausland. Das trifft die deutsche Exportwirtschaft besonders hart. Die hiesige Wirtschaftsleistung wird in diesem Jahr um sechs Prozent schrumpfen. Waren und Dienstleistungen im Wert von 157 Milliarden Euro werden weniger nachgefragt als im Vorjahr.

Pleitegeier kreisen über vielen deutschen Unternehmen. Hunderttausende Arbeitsplätze sind in Gefahr. Ähnlich sieht es in Japan aus. Dort wird die ebenso exportorientierte Wirtschaft im laufenden Jahr um rund 6,2 Prozent einbrechen. In China haben in Folge der Krise bereits 25 Millionen Wanderarbeiter ihren Job verloren.

Etwas anders sieht das Problem beim Importweltmeister USA aus. „Sie haben mehr Güter aus dem Ausland importiert, als sie dorthin ausgeführt haben, zur Freude der Produzenten in Asien oder Europa“, erklärt Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz, „doch dieses Modell funktioniert nicht mehr.“ Der Grund: Schulden finanzieren den riesigen US-Konsum. Stärker als anderswo wurde die Kreditvergabe mittels dubioser Finanzinstrumente vereinfacht. Menschen kauften auf Pump und bauten Häuser mit Hilfe von Krediten, die sie nie zurückzahlen konnten. Diese Blase platzte. Nun gehen sowohl Investitionen als auch Konsumausgaben zurück.

In den osteuropäischen Ländern ist die Verschuldung gegenüber westlichen Gläubigern stark gewachsen. Von Polen bis ins Baltikum verfallen die Währungen. Viele Staaten erhalten kaum mehr ausländisches Kapital und können Kredite nicht mehr zurückzahlen. Staatspleiten drohen.

Am härtesten trifft die Krise jedoch diejenigen, die am wenigsten dafür können: Den ohnehin ar-men afrikanischen Kontinent erwartet ein massiver Wirtschaftseinbruch. Die Weltbank schätzt, dass in Afrika noch mehr Menschen als bisher verhungern und rund 50 Millionen Frauen, Männer und Kinder verarmen werden.

Die Regierungen im Norden predigen, das System werde sich wieder stabilisieren, ein Neustart stehe kurz bevor. Ulla Lötzer (DIE LINKE) widerspricht dieser Logik, die dasselbe System beibe-halten möchte, das die Krise verursacht hat: „Wir brauchen ein neues Weltwährungssystem.“ Die Finanzmärkte müssten reguliert werden, die Wirtschaft dürfe sich nicht einseitig an den Export-überschüssen orientieren, sagt die Sprecherin für internationale Wirtschaftspolitik der Fraktion DIE LINKE. „Globale Wirtschaftspolitik muss zukünftig unter dem Dach der Vereinten Nationen geplant werden, nicht in elitären Zirkeln der mächtigen Industrieländer.“ Kurzum: Die Weltwirtschaft müsse neu programmiert werden.

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