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Warum der Osten anders tickt als der Westen

Von Sören Pellmann, erschienen in Klar, Ausgabe 44,

Die medialen Deutungen in den letzten Wochen blieben zumeist an der Oberfläche, denn den strukturellen Ursachen für die tiefen Gräben zwischen Ost und West stehen die Etablierten weitestgehend blind gegenüber. So nimmt es auch nicht wunder, dass überregional von der fulminanten Trauerrede von Christoph Hein für Elmar Faber kaum Notiz genommen wurde. Der renommierte DDR-Verleger blieb auch nach der Wende sehr erfolgreich. Er ist im Dezember 2017 im Alter von 83 Jahren in Leipzig verstorben. Der bekannte Schriftsteller nutzte den Nachruf für seinen langjährigen Freund, um die verheerende Anschlusspolitik der BRD gegenüber der DDR mit ihren bis heute fortwirkenden Folgen beim Namen zu nennen. Dabei sprach er sehr unbequeme Wahrheiten aus. Heins Verweis auf den rhetorischen Rückgriff der westdeutschen Eliten ab 1990 auf die LTI (Lingua Tertii Imperii) des Dritten Reichs gipfelte in der Frage: »Wieso benutzte man 1990 diese Sprache?« In seiner Antwort verwies der Bestsellerautor auf den 1945 ausgebliebenen »Austausch der Eliten in der neu gegründeten Bundesrepublik« im Westen. Im Jahr 1990 hieß für den Osten »das große Staatsziel« hingegen: »Delegitimierung des anderen deutschen Staates, und bald gab es den Auftrag: Austausch der Eliten.« Im Wissen um diese gravierenden Defizite fordert DIE LINKE. im Bundestag daher immer wieder: Solange die Ostdeutschen nicht angemessen und gleichberechtigt in Führungspositionen in den neuen und alten Bundesländern vertreten sind, wird es keinen inneren Frieden in der Bundesrepublik geben.

Sören Pellmann ist direkt gewählter Abgeordneter aus Leipzig

 

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