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»Walter Riester ist politisch korrupt«

erschienen in Klar, Ausgabe 9,

Ein Interview mit Nationalökonom und Buchautor Albrecht Müller (*1938), der von 1973 bis 1982 Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt unter Willy Brandt und Helmut Schmidt war.

Womit hat der ehemalige SPD-Arbeitsminister Walter Riester, wie vom Deutschen Bundestag veröffentlicht, nebenher 181.000 Euro verdient?

Albrecht Müller: Er hat 22 Mal für Vorträge und Beratungen bei Banken, Versicherungen und anderen Finanzdienstleistern jeweils mindestens 7000 Euro kassiert. Wer Walter Riester kennt, weiß, dass selbst eine im Geld schwimmende Bank für einen Vortrag von ihm keine 7000 Euro bezahlt.

Wieso? Exkanzler Gerhard Schröder erhält zehnmal höhere Summen für Vorträge…

Albrecht Müller: Das ist doch auch nicht -normal! Ein Arbeitnehmer muss im Durchschnitt mit 2000 Euro im Monat auskommen. 7000 Euro pro Abend sind -offensichtlich Gefälligkeitshonorare.

Gefälligkeitshonorare? Was meinen Sie?

Albrecht Müller: Ich könnte es auch politische Korruption nennen. Die Honorarzahlungen sind der Dank dafür, dass Walter Riester mit Unterstützung fast aller Parteien die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rente immer weiter verringert hat. Und dafür, dass er Milliardensubventionen für die private Alters-vorsorge eingeführt hat.

Und deshalb sind die Versicherungen und Banken Walter Riester dankbar?

Albrecht Müller: Ja, die Zulagen für die Riester-Rente sind Geschenke der Steuerzahler an die Versicherungskonzerne. Gelingt es der Versicherungswirtschaft und den Banken, 10 Prozent der bisherigen Beiträge für die gesetzliche Rente auf ihre -Mühlen zu lenken, dann gewinnen sie ein Umsatzplus von rund 16 Milliarden Euro. Pro Jahr! Die Allianz AG -meldet für 2007 einen Gewinn von 9 Milliarden Euro.

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