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VW-Skandal mit Folgen

erschienen in Klar, Ausgabe 38,

Dem Automobilkonzern drohen Strafgelder, Schadenersatzansprüche, Steuerrückzahlungen in Milliardenhöhe. Zur Kasse gebeten werden auch Belegschaft und Kommunen.

Bislang hat VW etwa 6,5 Milliarden Euro zurückgestellt, um die Krise bezahlen zu können. Aber das wird nicht reichen. Zahlen werden auch die Belegschaft, die Kommunen rund um den Autokonzern und die Kleinanleger. Rund 10 Prozent mehr Profit soll beispielsweise die Belegschaft erarbeiten. Ein „New Volkswagen“-Motto verordneten die Manager den Beschäftigten. Ein „New Management“ dagegen gibt es nicht. Dabei wäre es an der Zeit, die Millionengehälter der VW-Manager zurechtzustutzen. Zudem müssen endlich auch Manager persönlich haftbar gemacht werden können.

Zur Krise wird das VW-Problem darüber hinaus für die Kommunen. Viele Städte und Gemeinden sind abhängig von den Steuern des Multimilliardenkonzerns. Diese Einnahmen bleiben nun aus. Eine Folge: Eltern in Braunschweig sollen künftig monatlich bis zu 600 Euro pro Kind für den Kita-Platz bezahlen. Zuvor war der noch kostenfrei.


Betroffen sind ebenfalls die Kleinanleger. Wer glaubte, die VW-Aktie sei eine gute Altersvorsorge, hat seit dem letzten Jahr über 56 Prozent verloren. Selbst professionelle Fondsmanager werfen VW eine schleppende Aufklärung des Skandals vor.


Schuld an der Milliarden-Euro-Krise ist vor allem die Profitgier des Managements und der Großaktionäre. Immer schneller sollten immer größere Gewinne eingefahren werden. Das konnte auf Dauer nicht klappen. Und so wurde manipuliert und getrickst.


VW musste Manipulationen eingestehen. Was aber ist mit den anderen Herstellern? Nicht nur bei VW stoßen die Autos im realen Fahrbetrieb deutlich mehr Stickoxide aus als bei den offiziellen Messungen für die Typgenehmigung. Es geht um 3- bis 20-fach höhere Werte! Die Stickoxide des Verkehrs sind unter anderem für rund 1 0 000 vorzeitige Todesfälle in Deutschland verantwortlich. Millionen Menschen leiden unter den Abgasen. Städte werden von der Europäischen Union verklagt, weil die Grenzwerte dauerhaft überschritten werden.


Das alles ist seit Jahren bekannt. Doch die Regierung und die Kontrollbehörden schwiegen dazu. Auch deutet alles darauf hin, dass die von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eingesetzte Untersuchungskommission vor allem ein Ziel hat: die deutsche Autoindustrie vor weiteren Skandalen zu schützen.

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