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Verteidigungsminister Jung (CDU) meint. „Wir führen in Afghanistan keinen Krieg!“

erschienen in Klar, Ausgabe 13,

Der Alltag in Afghanistan ist grausam. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht mindestens ein Mensch von einer Bombe zerrissen oder bei Kämpfen erschossen wird. Zehntausende Zivilisten und Soldaten sind seit Kriegsbeginn im Jahr 2001 gestorben.

Auch die Bundeswehr ist Teil des NATO-Einsatzes und kämpft in Afghanistan. 30 deutsche Soldaten sind schon gestorben. Dennoch: Für den deutschen Verteidigungsminister Jung (CDU) hat das mit Krieg nichts zu tun. »Wir führen keinen Krieg in Afghanistan«, sagte er kürzlich in
einem Interview, »darum müssen wir auch keinen gewinnen.«

Begonnen hat der Krieg in Afghanistan mit einem völkerrechtswidrigen Angriff der USA und ihrer Alliierten. Sie installierten eine Marionettenregierung unter Führung von Hamid Karsai und ließen sie nachträglich von der UNO auf der Petersberger Konferenz absegnen. Durch diesen Trick konnte Karsai eine internationale Unterstützungstruppe, die ISAF, anfordern - angeblich zur Stabilisierung des Landes.

Im Jahr 2003 übernahm die NATO das Kommando der ISAF, bei der
es sich schon seit einiger Zeit um Kampftruppen handelt, die zunehmend offen Krieg führen. Dass es bei dem Einsatz auch um handfeste imperiale und geostrategische Interessen geht, machen etliche Berichte klar. Ressourcen wie Öl und Transportwege sollen gesichert oder erschlossen werden. Zudem geht es um Einflussgebiete und die Stationierung von Truppen in Afghanistan.

Allein im Jahr 2001 starben nach Angaben der Vereinten Nationen 2 118 Zivilisten in Afghanistan - ein tragischer Rekord. Andere Organisationen sprechen gar von 4000 getöteten Zivilisten. Zudem breiten sich die Kampfhandlungen zunehmend auf Nachbarstaaten aus.

Antwort der NATO auf dieses lautet: noch mehr Kampfeinheiten. Die USA verlegen 17 000 Soldaten vom Irak nach Afghanistan. Auch Deutschland stockt den Truppeneinsatz auf 4 500 Männer und Frauen auf. Kürzlich ist der deutsche Verteidigungsminister Jung mit neuen Erkenntnissen aus Afghanistan zurückgekommen. »Ich kann nur sagen, ich finde Afghanistan ist ein herrliches Land«, sagte er. Auch das gehört zur Strategie.

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