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Unruhe an der Ruhr

erschienen in Klar, Ausgabe 13,

Beschäftigte von Automobilzulieferer JCI bangen um ihre Arbeitsplätze

Bochum. Die Angst geht um im Werk von Johnson Controls (JCI) in Bochum, wo 600 Beschäftigte Autositze für Opel Bochum und Ford Köln produzieren. Die Krise der Automobilindustrie trifft nicht nur die Autobauer hart, sondern auch die Zuliefererbranche und ihre 325 000 Beschäftigten.

Michael Munsch (33), Ralf Thieleke (48) und Dietmar Kupfer (51) sind Arbeiter. Die drei sind offen und direkt, aktive Gewerkschafter bei JCI eben. In der Gaststätte »Zum Hopfengarten« in der Nähe des Werks tauschen sie sich über ihre Sorgen und Hoffnungen aus.

»Früher haben die Kollegen geglaubt, dass Einsparungen ihre Arbeitsplätze sichern«, sagt Michael Munsch. »Heute glaubt das keiner mehr. Und Vorgesetzte, die so argumentieren, verlieren an Respekt«, stellt Dietmar Kupfer fest.

Die letzten Jahre waren kein Zuckerschlecken für die Beschäftigten von JCI. Der amerikanische
Konzern diktierte den 140 000 Beschäftigten in 125 Ländern ein brutales Sparprogramm. Schlanke Produktion heißt das Zauberwort. Für das Werk Bochum bedeutete dies: Die Beschäftigten mussten 40 Stunden pro Woche statt der tariflich vereinbarten 37 Stunden schuften. Außerdem wurden Prämien drastisch gekürzt.

Als die Geschäftsleitung weitere Sparmaßnahmen verkündete, hatte die Belegschaft die Nase voll. Geschlossen ging sie während der Arbeitszeit zum Betriebsrat, um sich zu informieren. Die Folge: mehr als 100 Abmahnungen.

Und jetzt auch noch die Krise. Durch die Just-in-Time-Produktion sind Zulieferer und Autobauer verbunden wie Blutgefäße. Wenn bei Opel die Bänder stillstehen, gibt’s auch bei JCI Kurzarbeit. »Wenn Opel dichtmacht, bleibt Ford als einziger Kunde«, sagt Ralf Thieleke, »dann werden sie versuchen, JCI Bochum zu schließen und in den Zulieferpark von Ford in Köln umzuziehen«.

Doch noch hat sich nicht viel verändert, noch schwankt die Belegschaft zwischen Hoffen und Bangen. Michael Munsch glaubt nicht so richtig an die Autokrise. Da werde übertrieben, um Sozialabbau zu betreiben, sagt der 33-Jährige.

Seine Kollegen schütteln die Köpfe. Seit zwei Jahren gingen die Verkaufszahlen für Kraftfahrzeuge zurück, argumentieren sie. »Kapitalismus ohne Krisen gibt es nicht«, sagt Dietmar Kupfer. In Teilen der Belegschaft herrsche schon heute nackte Angst. »Vor allem bei denen, die gebaut haben oder deren Kinder gerade in die Schule kommen«, wirft Ralf Thieleke ein.

Auch Dietmar Kupfer hat zwei Kinder. Natürlich macht auch er sich Sorgen. »Aber ich überlege auch, was wir tun können«, sagt er kämpferisch. Er ist sich sicher, dass sich die Bevölkerung
gegen eine Schließung von Opel wehren wird.

Schon beim Opel-Streik 2004 und bei der Schließung des Nokia-Werks war die ganze Stadt auf den Beinen. Auch Ralf Thieleke und Michael Munsch sind sich einig: »Bochum hat Charakter!« Genauso wie die Kollegen von Johnson Controls.

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