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Stoibers Engagement für DIE LINKE

erschienen in Clara, Ausgabe 8,

»Ich bin aus mir selbst entstanden«, sagt einer, der alle Erwartungen an einen echten Stoiber erfüllt: Er ist Bayer, schreibt sich wie sein Namensvetter - der Exministerpräsident des Freistaates - und er kann genauso derb austeilen, wenn es Not tut. Das muss Siegfried Stoiber - der im ostbayerischen Landkreis Cham nur Siggi von den LINKEN genannt wird. Er ist bekannt wie ein bunter Hund. Wenn Siegfried Stoiber auf Tour geht, wird er von seinen fünf Hunden begleitet - zwei Rottweiler- und drei Promenadenmischungen sind immer dabei.

Ob am Infostand der LINKEN oder an der Eingangstür einer Bürgerversammlung platziert, die Vierbeiner flößen Respekt ein. Es ist noch immer nicht ganz ungefährlich, im konservativen Bayern ein bekennender Linker zu sein. Stoiber sagt: »Große Hunde appellieren ans Kleinhirn, das besonders bei Randalierern und Faschos deutlich ausgeprägt ist, sie eignen sich daher vorzüglich für Ordneraufgaben.« Manchmal werden Erinnerungen an 2005 wach. Nach einer Wahlveranstaltung waren an die 30 Neonazis gegen ihn auf-marschiert. Tags darauf habe er gemerkt, dass das linke Hinterrad gelockert war. Die Radmuttern waren von »unbekannten Tätern« gelöst worden.
Einer wie Siegfried Stoiber lässt sich dennoch davon nicht beeindrucken. Der 47-Jährige studierte Historiker und Politologe weiß, wovon er spricht, und was er sagt, vertritt er auch. Er selbst ist auf Arbeitslosengeld II angewiesen, denn für einen umgeschulten Informatikkaufmann gibt es trotz Dauerpraktika im ganzen Landkreis Cham keine Arbeit. Die tschechische Grenze in unmittelbarer Nähe sorgt für Aufschwung im Lohndumping-bereich. Nirgendwo in Bayern werden so geringe Löhne wie hier gezahlt.

Siggi Stoiber hat einen eigenen, unverwechselbaren Charme entwickelt, um mit den Bürgerinnen und Bügern ins Gespräch zu kommen. Dass er als Linker aus der SPD gefoult wurde, stört ihn nicht weiter. Provokant stellte er mit seinen elf Aktivistinnen und Aktivisten des Kreisverbandes Cham den Infostand direkt vor dem Eingang zum SPD-Bezirksparteitag auf.

Viele hätten bewusst weggeschaut, wenn er auf die Delegierten zuging, den Damen mit »Gnädige Frau, darf ich Ihnen etwas zum Lesen geben« das Fraktionsmagazin ›clara‹ in die Hand drückte. Wenn sie dann stehen blieben und das Heft aufschlugen, dann hatte Siggi gewonnen. Einige SPD-Anhänger kämen heimlich, um das Material zu bekommen. Man sei in Bayern eben immer noch unkeusch und unsittlich, wenn man sich mit den LINKEN einließe. Kürzlich jagte ihn ein gestandener Mittfünfziger mit: »Schämt’s ihr euch nicht, geht’s doch alle rüber«, vom Hof. Er hatte Siggi und seine Freundin Renate erwischt, als sie gerade dabei waren, das linke Massenblatt ›Klar‹ in seinen Briefkasten zu stecken. Immer dann, wenn die Bundestags-fraktion neue Flyer, Folder oder Publikationen ankündigt, bestellt Siggi das Infomaterial an seine private Adresse. So kann er sicher sein, dass die Pakete nicht gestohlen werden und ungelesen im Schredder landen.

Dann verlädt er den Lesestoff in seinen alten klapprigen Volkswagen Golf und organisiert mit seinen Genossinnen und Genossen die Verteilung in der Region Cham. Sie fahren jedes Mal mit dem eigenen Auto Hunderte von Kilometern, bezahlen die Touren aus eigener Tasche. Die Jungen bekommen fast alle Hartz IV oder haben Minijobs und die Älteren eine kleine Rente. Siggi ist stolz auf seinen Kreisverband, der weiter wächst und in dem über 40 Prozent Frauen sind. »DIE LINKE hat das Monopol auf links in Cham«, sagt Siggi Stoiber und lacht aus vollem Herzen. Dass er selbst daran großen Anteil hat, weiß auch Eva Bulling-Schröter, die Bundestagsabgeordnete und Landes-vorsitzende in Bayern: »Einer wie Stoiber ist für DIE LINKE in Bayern ein echtes Pfund.«

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