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Sparprogramm mit tödlichen Folgen

erschienen in Klar, Ausgabe 23,

Dramatische Meldungen aus Griechenland. Das von der EU verordnete radikale Sparprogramm hat fatale Folgen: steigende Suizidraten, massenhafte Arbeitslosigkeit und die Wirtschaft kollabiert.

Gesundheit: Griechenland hat mehr als 40 Prozent der Gesundheitsausgaben gestrichen. Viele Griechen können sich Medikamente nicht mehr leisten. Weil Krankenhäuser mit ihren Zahlungen für Medikamente in Verzug sind, haben erste Pharmaunternehmen ihre Lieferungen gestoppt. Die katastrophale Situation im Land treibt immer mehr Menschen in den Selbstmord. Im ersten Halbjahr 2011 stieg die Zahl der Selbsttötungen um 40 Prozent.

 

Gesellschaft: Gehälter im öffentlichen Dienst wie in der Privatwirtschaft wurden extrem gekürzt. Teilweise um mehr als 30 Prozent. Besonders hart trifft es Lehrerinnen und Lehrer. Griechische Lehrerinnen erhielten im Juni 2011 einen monatlichen Bruttolohn von 1020 Euro. Ab Dezember erhalten sie nur noch 575 Euro brutto. In vielen Schulen fehlen den Kindern Unterrichtsmaterialien. Lehrer berichten von unterernährten Schülern. Vielerorts sind Schulen auf Lebensmittelspenden angewiesen.

 

Wirtschaft: 2010 haben im Einzelhandel zehntausende Geschäfte Pleite gemacht. Derzeit gehen mehr als 4000 Handels- und Gewerbefirmen pro Monat pleite und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Umsätze griechischer Unternehmen sind um bis zu 60 Prozent eingebrochen. Laut offiziellen Zahlen stieg die Arbeitslosigkeit von 11,6 Prozent im März 2010 auf 17,6 Prozent im Juli. Bis Ende 2012 rechnen griechische Arbeitsmarktexperten mit einer Rekordarbeitslosigkeit von 26 Prozent. Allein bis 2015 sollen 150.000 Beamte aus dem öffentlichen Dienst ausscheiden. Besonders stark leiden junge Menschen unter der Krise. 42 Prozent von ihnen sind ohne Arbeit.

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