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Sorgearbeit neu bewerten

Von Cornelia Möhring, erschienen in Clara, Ausgabe 39,

Cornelia Möhring plädiert für eine Umverteilung von Arbeit und Zeit zwischen den Geschlechtern.

Voll engagiert, stets erreichbar und zeitlich flexibel, effizient, kreativ und bitte gut gelaunt – die Anforderungen in der modernen Arbeitswelt sind für viele immer schwieriger zu bewältigen. Für die meisten Frauen allerdings potenziert sich das Pensum noch. Denn es sind noch immer die Frauen, die den Großteil an Sorge- und Hausarbeit leisten, die kochen, den Sohn zum Fußball fahren, die Schwiegermutter pflegen.    Die Zeitverwendungsstudie des Statistischen Bundesamts aus dem vergangenen Jahr zeigt: Frauen arbeiten zwar weniger in bezahlter Arbeit als Männer, durch die unbezahlten Tätigkeiten in Haushalt und Familie leisten sie aber insgesamt eine Stunde mehr Arbeit pro Woche; haben sie Kinder, sind es sogar wöchentlich zehn Arbeitsstunden. Für viele Frauen entsteht daher ein Gefühl des Scheiterns auf einer alltäglichen Basis. Denn die Vereinbarkeitsdebatte suggeriert, dass es möglich wäre, allen Anforderungen gerecht zu werden. So wird als individuelles Problem erfahren, was strukturell schiefläuft.    Das müssen wir erkennen, möchten wir die wirklichen Ursachen bekämpfen. Wir brauchen eine Neubewertung der Sorgearbeiten und eine Umverteilung von Arbeit und Zeit zwischen den Geschlechtern. Eine Teilzeit für alle, die gut entlohnt wird. Damit Frauen ermöglicht wird, eine eigenständige Perspektive zu entwickeln, und damit wir alle Zeit haben für das ganze Leben.   Cornelia Möhring ist frauenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE

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