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Skandal in Gorleben: Abgeordnete abgewiesen

Von Johanna Regina Voß, erschienen in Klar, Ausgabe 23,

Kürzlich traf in Gorleben der vorerst letzte Castor-Transport ein. Ein handfester Skandal ereignete sich bereits Wochen vorher.

Vor-Ort-Termin in Gorleben: Johanna Voß, Mitglied der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, steht gemeinsam mit Abgeordneten von SPD und Grünen vor den Toren der Castor-Halle. Sie ist Mitglied des Umweltausschusses. Hier in Gorleben, wo der hochradioaktive Müll gelagert wird, will sie einem Verdacht nachgehen: dass die Strahlung im Wendland viel höher ist als gedacht, weil durch einen Rechentrick mehr Atommüll deponiert wurde.

Zum Hintergrund: In Gorleben und der Region werden ständig die Strahlungswerte gemessen. Um dies zu tun, wird bei der Berechnung der Strahlenbelastung ein sogenannter Nullwert verwendet. Dabei handelt es sich um die Grundstrahlung der Region ohne Atommüll, die vor vielen Jahren gemessen wurde. Bei heutigen Messungen wird dieser Wert verwendet, um davon ausgehend den durch die Atommülllagerung verursachten Anstieg der Strahlung zu messen. Der Vorwurf: Bevor die erste Grundstrahlenlast gemessen wurde, lagerten schon Fässer in Gorleben. Deswegen sei die Messung der Grundstrahlung höher ausgefallen, aber man habe so getan, als wäre das die normale Strahlung der Region. Durch diesen Trick habe man bei den Messungen in den Jahren danach die Werte runtergerechnet und damit weitere Transporte ermöglicht. Die Leidtragenden sind die Menschen. Bereits seit 2003 leben sie mit einer Strahlung, die die zulässigen Grenzwerte weit überschreitet.

Umso wichtiger, die Sache in Gorleben unter die Lupe zu nehmen. Vor den Toren der Halle kommt es an diesem Tag zu einem Skandal: Der Betreiber der Halle versagt den Abgeordneten des Bundestags den Zutritt. Kontrollrecht hin oder her, man habe die Voranmeldefrist nicht beachtet. So lautet die fadenscheinige Begründung. Aber man könne sich bei Kaffee und Kuchen über die Situation unterhalten. Die Abgeordneten schlagen das Angebot aus. Sie nutzen die Zeit, kommen mit der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg ins Gespräch. Für die wiederum passt der Vorfall ins Bild: Seit Jahren setzen Hallen-Betreiber, Landes- und Bundesregierung Transporte und Zwischenlagerung gegen alle Bedenken auch gewaltsam durch.

Unterdessen will die Regierung ein Gesetz zur Lösung der Endlagerfrage vorlegen. Damit wird die Suche von Neuem beginnen. Umweltminister Röttgen sagt, es gebe kein Tabu. Niemand ist sicher, an keinem Ort der Republik. Die Hoffnung der Betroffenen im Wendland indes richtet sich auch auf DIE LINKE. Viele Ansprechpartner bleiben ihnen nicht, hatten doch selbst die Grünen unter Rot-Grün Transporte nach Gorleben durchgedrückt.

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