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„Schöngefärbte Statistik“

Von Agnes Alpers, erschienen in Klar, Ausgabe 18,

Ausbildungsexpertin Agnes Alpers (DIE LINKE) über fehlende Ausbildungsplätze, geschönte Statistiken und vielversprechende Lösungen.

Im jüngsten Bericht zur Lage der Ausbildung sagt die Bundesregierung, es gebe mehr offene Stellen als Bewerber, folglich kein Problem. Stimmt das?

Agnes Alpers: Schön, wenn dem so wäre. Die Sache sieht leider anders aus: Hunderttausende Jugendliche landen nach der Schule nämlich nicht auf einem Ausbildungsplatz, sondern verbringen zum Teil Jahre in berufsvorbereitenden Maßnahmen, suchen sich selbst einen Job oder melden sich nicht ausbildungssuchend. All diese Menschen werden dann nicht mehr zu denen gezählt, die eine Ausbildung suchen.

 

Helfen diese berufsvorbereitenden Maßnahmen nicht dabei, eine Ausbildung zu finden?

Leider viel zu wenigen Menschen. Ganz viele werden danach weiter verschoben, in Hartz IV oder in Jobs, für die keine Ausbildung notwendig ist. Mit dem Ergebnis, dass wir derzeit 1,5 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren haben, die keinen Berufsabschluss besitzen.

 

Wie lassen sich diese Probleme lösen?

Mit einem Recht auf einen Ausbildungsplatz. Finanzierbar wäre das durch eine Ausbildungsplatzumlage, bei der Betriebe, die nicht ausbilden, in einen Topf einzahlen. Zudem müssten berufsvorbereitende Maßnahmen eine Garantie auf einen sich anschließenden Ausbildungsplatz beinhalten. Auch müsste endlich das Vertuschen mittels Statistiken aufhören, damit sich Politik nicht aus ihrer Verantwortung stehlen kann.

 

Agnes Alpers ist Sprecherin für berufliche Aus- und Weiterbildung der Fraktion DIE LINKE

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