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Schlecker-Verkäuferinnen gründen Mini-Läden

erschienen in Klar, Ausgabe 27,

In Baden-Württemberg nehmen arbeitslose Schlecker-Verkäuferinnen ihr Schicksal selbst in die Hand.

Drogerien zu Dorfläden: Verkäuferinnen der insolventen Drogeriekette Schlecker und die Gewerkschaft ver.di wollen ehemalige Filialen in Dorfläden umwandeln und weiterbetreiben. Sie planen, die Schlecker-Läden als Mini-GmbHs zu führen. Eine gemeinsame Servicegesellschaft soll sich um Einkauf, Buchführung und Werbung kümmern.

Bettina Meeh (46) ist eine der Verkäuferinnen. „In meinem Alter bekomme ich auf Bewerbungen nur Absagen“, sagt sie, „da mache ich lieber mein eigenes Ding.“ Gemeinsam mit ihrer Kollegin Karin Meinerz (52) stemmt sie sich gegen die Arbeitslosigkeit. In wenigen Wochen wollen die beiden Frauen in der Gemeinde Erdmannhausen im Landkreis Ludwigsburg die erste Filiale eröffnen.

Mit der Pleite der Drogeriekette Schlecker brach für viele der Verkäuferinnen eine Welt zusammen. Gewissenhaft hatten sie jahrzehntelang vor Ort die Filialen geschmissen und so das Vermögen des Firmenpatriarchen Anton Schlecker gemehrt. Doch plötzlich verkündete Schlecker die Insolvenz, die Regierung verwehrte jede Hilfe, und insgesamt verloren mehr als 20 000 Beschäftigte ihre Arbeit. Nur 20 Prozent von ihnen haben einen neuen Job.

Bettina Meeh und Karin Meinerz schwärmen von ihrem neuen Laden. Sie wollen das Warensortiment an den Kundenwünschen ausrichten. „Das war früher nicht möglich“, sagt Bettina Meeh. Sie planen einen Lieferservice für die Bewohnerinnen des nahegelegenen Altenheims. Älteren Menschen wollen sie die Einkäufe nach Hause tragen.

Das Projekt der Gewerkschaft und der Verkäuferinnen ist zunächst auf Baden-Württemberg begrenzt. Bis Ende Oktober soll es an mindestens drei Standorten ausprobiert werden. Funktioniert es, kommen laut ver.di deutschlandweit bis zu 1000 Filialen infrage. Auf diese Weise könnten bis zu 4000 Arbeitsplätze gerettet werden.

Die Resonanz in vielen Gegenden ist positiv. Zahlreiche Bürgermeister, die ohne örtliche Drogerie den wirtschaftlichen Niedergang der Dorfmitte befürchten, unterstützen den Plan. Auch in dem 5000-Seelen-Städtchen Erdmannhausen unterstützt die Bürgermeisterin das Projekt der beiden Schlecker-Frauen. Es gibt hier zwar einen Lebensmittelladen, aber keine Drogerie. „Die Leute im Dorf sind begeistert, besonders ältere Menschen freuen sich“, berichtet Karin Meinerz.

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