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Riesen-Reibach mit der Riester-Rente

erschienen in Klar, Ausgabe 28,

Ein ehemaliger Bankangestellter packt aus: Riester-Verträge nutzen den Banken und Versicherungen, schützen aber kaum vor Altersarmut

Michael Oderski (Name geändert) hat jahrelang für eine renommierte Großbank gearbeitet. Seine Bank kooperierte mit einem Versicherungskonzern und strich für abgeschlossene Verträge hohe Prämien ein. "Es ging vor allem um den Vertrieb wilder Versicherungskonstruktionen", sagt der 29-Jährige. Besonders profitabel war der Abschluss einer Riester-Rente.

Der Staat fördert die Riester-Rente mit Steuergeld. Das sorgt für hohe Gewinne bei Versicherungen und Banken. Seit dem Jahr 2002 hat der Staat bereits weit über 14 Milliarden Euro für die Förderung der Riester-Rente ausgegeben, davon mehr als vier Milliarden Euro alleine an die sechs größten Anbieter von Riester-Verträgen.

Bereits in der Ausbildung sollte Michael Oderski Verkaufsgespräche zur Riester-Rente führen. Darauf vorbereitet wurde er in internen Vertriebsseminaren. "Die Gesprächsführung bestand darin, dem Kunden zunächst Angst vor Altersarmut zu machen", berichtet der junge Mann aus dem Rhein-Main-Gebiet. Dann wurden die vermeintlichen Vorteile dieser Versicherung betont. Risiken oder Nachteile seien häufig ausgeblendet, teilweise vollständig verschwiegen worden.
Michael Oderski erzählt, dass die Verwaltungskosten bei Riester-Verträgen "durchweg sehr hoch" waren. "Ich habe Angebote gesehen, in denen diese Kosten die staatlichen Zulagen komplett aufzehrten", sagt er. Mit anderen Worten: Die Versicherten mussten die staatliche Förderung, die sie erhielten, direkt an Banken und Versicherungen weiterreichen.

Tatsächlich liegen die Verwaltungskosten bei Riester-Verträgen mit bis zu 20 Prozent der eingezahlten Beiträge deutlich höher als bei der gesetzlichen Rente, wo sie lediglich 1,4 Prozent betragen. Hinzu kommen weitere Nachteile für die Versicherten. Der Garantiezins ist seit dem Jahr 2002 um mehr als die Hälfte gesunken. Riester-Leistungen werden in der Regel nicht an die Inflation angepasst.

Besonders plagte Michael Oderski sein Gewissen, wenn er Hartz-IV-Beziehenden die Riester-Rente andrehen sollte. Menschen mit geringem oder gar keinem Einkommen nützt der Riester-Vertrag im Alter oft gar nichts. Denn die Einkünfte aus der Versicherung werden bei armen Rentnerinnen und Rentnern von der Grundsicherung im Alter abgezogen. "Wir haben diesen Menschen den letzten Groschen aus der Tasche gezogen", gesteht Oderski, "nur weil laut Gesetz ein monatlicher Beitrag von fünf Euro ausreicht, damit der Versicherte und damit die Bank die staatlichen Zulagen bekommt."

Michael Oderski hat auf eine Karriere in der Bank verzichtet und das Angebot einer Festanstellung ausgeschlagen. "In der Bank geht es nicht um den Bedarf der Kunden, sondern um den der Bank", resümiert er.

 

Was ist die Riester-Rente?

Die Riester-Rente ist eine im Jahr 2002 eingeführte, staatlich geförderte und privat finanzierte Altersrente. Ihr Namensgeber Walter Riester (69) war in den Jahren von 1998 bis 2002 Bundesarbeitsminister für die SPD. Gemeinsam beschlossen SPD und Grüne damals die Absenkung der Rentenansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung. Dadurch wuchs der Druck auf abhängig Beschäftigte, sich zusätzlich privat zu versichern; staatliche Subventionen sorgten für zusätzliche Anreize.

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