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NATO scheitert in Afghanistan

erschienen in Klar, Ausgabe 15,

Kanada, Japan und die Niederlande wollen ihre Truppen abziehen, aber die Bundesregierung denkt über noch mehr Soldaten nach.

Afghanistan erlebt das blutigste Jahr seit dem Einmarsch der NATO-Truppen im Jahr 2001: Zwischen Januar und Oktober 2009 starben 445 ausländische Soldaten und über 1500 Zivilisten. Die Strategie der NATO ist gescheitert. Doch statt den Kurs zu wechseln und sich vom Hindukusch zurückzuziehen, fordern Politiker und Militärs noch mehr Soldaten - auch von Deutschland.

Der Einsatz in Afghanistan sollte dem Land Demokratie bringen. Aber bei den Präsidentschaftswahlen im August wurde fast ein Drittel aller abgegebenen Stimmen gefälscht. Trotzdem hofieren die USA den Wahlbetrüger Karzai als „großen Staatsmann“, und Kanzlerin Merkel (CDU) sieht Afghanistan weiterhin auf einem guten Weg.

Dabei spricht alles dagegen. Millionen Afghanen werden auch in diesem Winter hungern. Die medizinische Versorgung ist katastrophal. Korruption und Todesgefahr prägen den Alltag. Überall im Land sind Kriegsfürsten und Taliban auf dem Vormarsch. Auch deswegen, weil die Gewinne mit Opium in diesem Jahr so groß sind wie noch nie. Geld, mit dem ständig neue Waffen gekauft werden und sich die Lage weiter verschärft.

Das spürt auch die Bundeswehr. Zunehmend ist sie in Kampfeinsätze involviert - mit katastrophalen Folgen. Im September starben bei einem Angriff auf zwei Tanklaster Dutzende Zivilisten.

Wie heikel die Sicherheitslage mittlerweile ist, offenbarte kürzlich der amerikanische Befehlshaber für Afghanistan, US-General McChrystal. Er forderte 40000 zusätzliche Soldaten - obwohl das Kontingent erst kürzlich aufgestockt wurde. Insgesamt sind schon heute mehr als 100000 ausländische Soldaten in Afghanistan im Einsatz.

Noch zögert die Bundesregierung, weitere Soldaten in diesen Krieg zu schicken. Fortsetzen will sie ihn in jedem Fall. Der Bundestag muss voraussichtlich Anfang Dezember über eine Verlängerung des Kampfeinsatzes entscheiden.

Andere Länder haben sich bereits entschieden: Kanada, Japan und die Niederlande wollen ihre Truppen bis zum Jahr 2011 abziehen. Australien und Italien wollen schnellstmöglich folgen.

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