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Nach dem Attentat in Norwegen: »Ich bin dankbar, dass ich am Leben bin«

erschienen in Klar, Ausgabe 22,

Der Massenmörder Anders Behring Breivik ermordete im Juli 77 Menschen. Die Jungsozialistin Iril Gjørv war während des Attentats auf der Insel Utøya und spricht über die Zeit danach.

Es ist etwas Zeit seit den Anschlägen vergangen. Wie geht es dir jetzt?

Iril Gjørv: Ich bin dankbar, dass ich am Leben bin, aber ich weiß nicht, wie ich mit der Situation umgehen soll. Simon Sæbø und Anders Kristiansen, zwei meiner besten Freunde, sind tot, und daran kann ich nichts ändern. Ich kann es nicht glauben, dass ich mitten drin war und dass ich meine besten Freunde verloren habe. Wir werden mit mehr Offenheit reagieren, mit mehr Demokratie und mehr Liebe zu unseren Mitmenschen. Die norwegische Politik ist mit dieser Situation sehr gut umgegangen und gerade bin ich froh, Norwegerin zu sein.

Kann eine solche Situation überhaupt positive Auswirkungen haben?

Ja, das glaube ich schon. Ich hoffe, dass die Menschen ein größeres Bewusstsein für die Gefahren von Rassismus bekommen. Ich hoffe, sie verstehen, wie wichtig es ist, sich politisch zu beteiligen und wählen zu gehen. Ich wünsche mir, dass in meinem Land wichtige Debatten und Diskussionen geführt werden. Wir müssen an Menschen glauben und nicht an irgendwelche Ideologien.

Hattest du Zweifel daran, ob du weiterhin politisch aktiv sein willst?

Niemals.

Was hast du seit den Anschlägen getan?

Ich habe meine Freunde zu Grabe getragen, wurde vom fantastischen Gesundheitssystem Norwegens gesund gepflegt und habe ganz viel Liebe und Fürsorge von anderen Menschen erfahren. Außerdem habe ich begonnen, die politische Arbeit von Anders fortzuführen, die er nicht mehr zu Ende bringen konnte. Er saß als Jugendvertreter im Stadtrat unserer Heimatstadt.

Das Interview führte May Naomi Blank.

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