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erschienen in Clara, Ausgabe 18,

Aktuelle Buchtipps

Gwynne Dyer: Schlachtfeld Erde. Klimakriege im 21. Jahrhundert. Klett-Cotta, 384 Seiten, 22,95 Euro

Vorsicht! Der britische Militärstratege Gwynne Dyer denkt gewöhnlich in Szenarien, hier präsentiert er einige für den Ernstfall in Sachen Klimakatastrophe. Wer Bücher jüngeren Datums über Treibhauseffekt, Erderwärmung, Methan- und Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre gelesen hat, wird manche seiner Planspiele als erschreckend realistisch wahrnehmen. Dyer hatte Fakten präzise recherchiert, zahlreiche internationale Experten interviewt, bevor er politische und strategische Schlussfolgerungen aus dem Klimawandel zog. Denn wie werden wohl arme Völker reagieren, wenn Nahrung und Wasser plötzlich ganz knapp sind? Was passiert, wenn Rohstoffe und Energiequellen zur Neige gehen, weil auch Menschen in entfernten Regionen den westlichen Lebensstandard erreichen wollen?

 

Richard David Precht: Die Kunst, kein Egoist zu sein. Goldmann Verlag, 544 Seiten, 19,99 Euro

Volker Lösch, Gangolf Stocker, Sabine Leidig, Winfried Wolf (Hg.): Stuttgart 21. PapyRossa, 200 Seiten, 10 Euro

Im letzten Drittel seines neuen Buches zeigt sich Richard David Precht als streitbarer Philosoph. Dort befasst er sich damit, wie die Wirtschaft ihre Verantwortung wahrnimmt, woran die Demokratie leidet und weshalb mehr Engagement von Bürgerinnen und Bürgern noch immer ausgebremst wird: „Wer persönliche und gesellschaftlich festgezurrte Egoismen überwinden will, der muss auch unser politisches System danach befragen, wo es die Spielräume des ›Guten‹ verengt und diejenigen des ›Schlechten‹ kultiviert. Doch die Barrieren gegen jede Transformation sind hoch. Keine einzige parlamentarische Initiative für mehr Bürgerentscheide fand bisher die laut Grundgesetz erforderliche Zweidrittelmehrheit im Bundestag.“ Zuvor führt er mit zahlreichen Beispielen aus der Gehirn- und Verhaltensforschung vor, wo wir anknüpfen müssen, wollen wir mehr Gemeinsinn und Zusammenarbeit erreichen. Precht macht außerdem deutlich, wie sehr es Politik und Wirtschaft inzwischen an Moral mangelt.

Das aktuellste Beispiel für selbstbewusste Basisdemokratie behandelt der Band „Stuttgart 21 – Oder: Wem gehört die Stadt“. Die Autoren liefern nicht nur eine Chronologie des umstrittenen Verkehrsprojekts, sie untersuchen auch seine wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Auswirkungen auf die Region. Sie machen deutlich, dass es bei dieser Auseinandersetzung längst nicht mehr nur um einen Bahnhof, sondern um reformbedürftige gesellschaftliche Entscheidungsprozesse geht. Oder wie es der Schauspieler Walter Sittler formuliert: „Die Gewissheit, das Richtige zu tun und dies mit friedlichen Mitteln durchsetzen zu können, macht die Stärke des Protestes aus.“

 

James K. Galbraith: Der geplünderte Staat. Rotpunktverlag, 320 Seiten, 24,50 Euro

Max Otte, Thomas Helfrich: Die Krise hält sich nicht an Regeln. Econ Verlag, 255 Seiten, 18 Euro

Für diese Bücher liefert die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise den Stoff. Zwar analysiert der renommierte Ökonom James K. Galbraith in seiner Abrechnung mit dem freien Markt das Wirtschaftssystem der USA. Doch das Prinzip, nach dem der Staat geplündert wird, funktioniert auch in Deutschland. Alles, was die Privatwirtschaft hemmen könnte, wird rücksichtslos bekämpft, diskreditiert und für nutzlos erklärt. So kommt es, dass Steuersenkungen für Reiche eben nicht der Allgemeinheit helfen, sondern nur den Reichen. Galbraith zeigt, wie tief diese Ideologie auch im politischen System verankert ist. Nicht nur beispielsweise Klima- und Verbraucherschutz, sondern auch das Vertrauen in sozialen Ausgleich und Gerechtigkeit bleiben aus seiner Sicht auf der Strecke. Folglich plädiert er leidenschaftlich für mehr Demokratie in Wirtschaft und Gesellschaft.

Im munteren Frage-Antwort-Spiel befasst sich Max Otte mit der aktuellen Wirtschaftspolitik. Eine Idee der Fraktion DIE LINKE beurteilt er so: „Sie können grundsätzlich jeden Konzern in einer etablierten Branche staatlich steuern – seien es Versorger, Automobilkonzerne oder Telekommunikationsunternehmen. Deshalb sollte man den Linken auch nicht grundsätzlich wirtschaftliche Inkompetenz vorwerfen, nur weil sie sich für Verstaatlichungen einsetzen.“ Das bedingungslose Grundeinkommen lehnt er hingegen ab. Weil Otte die Mechanismen des Bankensystems genau kennt, sind seine Ansichten durchaus geeignet, Konzepte für die Krisenbewältigung zu prüfen.

 

Sebastian Junger: War. Ein Jahr im Krieg. Blessing Verlag, 336 Seiten, 19,95 Euro

„Die Vorstellung, dass es Regeln für die Kriegsführung gebe und dass die Kombattanten einander gemäß grundsätzlicher Prinzipien der Fairness töteten, verlor ihre Geltung wahrscheinlich ein für alle Mal mit dem Einsatz des Maschinengewehrs.“ In Afghanistan gibt es jede Menge Maschinengewehre, die ganze Welt weiß, dass dort Krieg geführt wird und dass der Westen diesen Krieg nicht gewinnen kann. Der Journalist Sebastian Junger besuchte mehrfach das schwer umkämpfte Korengal-Tal, lebte und litt dort mit der Truppe. In seiner Reportage zeigt er, welche Seiten dieser Krieg bei Menschen offenlegt, wie er sie verändert. Junger wollte wissen, was diesen Soldaten wirklich abverlangt wird. Er bewertet sie nicht und verlangt so Konsequenzen.

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