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Mit Kampfpreisen Europa erobert

Von Michael Schlecht, erschienen in Clara, Ausgabe 22,

Kommentar von Michael Schlecht

»Weil sie unsolide gewirtschaftet haben, sind viele Länder Europas in der Schuldenkrise«, so Kanzlerin Merkel. Jedoch: Seit 2000 haben deutsche Unternehmer für 1,2 Billionen Euro mehr Produkte und Waren an das Ausland verkauft, als Deutschland dort eingekauft hat. Womit konnten die anderen Länder diesen Überschuss bezahlen? Nur mit einer beständig anwachsenden Verschuldung. Deutsche Banken standen immer gerne bereit, um mit Flüssigem auszuhelfen. Heute sitzen sie auf den Milliardenkrediten. Weshalb war dieser gigantische Überschuss im Außenhandel überhaupt möglich? Seit 2000 sind die Löhne in Deutschland um 4,5 Prozent gesunken; die Inflation ist dabei herausgerechnet. In allen anderen Ländern stiegen sie. Diese schlechte Lohnentwicklung schwächte den deutschen Konsum. Damit hatten ausländische Unternehmer es schwer, ihre Waren in Deutschland an den Mann oder die Frau zu bringen. Die Importe schwächelten. Gleichzeitig konnten deutsche Unternehmer mit sinkenden Löhnen ihre Profite massiv steigern und mit Kampfpreisen ausländische Märkte erobern. Unter anderem mit dem Lohndumping in den deutschen Schlachthöfen wurden die Exporte von Nahrungsmitteln nach Griechenland um rund 90 Prozent gesteigert. Nur wenn Exporte und Importe sich die Waage halten, ist Europa zu retten. Deshalb brauchen wir deutlich steigende Löhne, den gesetzlichen Mindestlohn von zehn Euro, das Arbeitslosengeld II in Höhe von 500 Euro und ein Zukunftsprogramm für den sozialökologischen Umbau mit 125 Milliarden Euro jährlich.

Michael Schlecht ist Chef-Volkswirt der Fraktion DIE LINKE

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