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„Mehr von uns ist besser für alle“

erschienen in Klar, Ausgabe 42,

Tim Umhofer (23) aus St. Wendel liebt seinen Beruf. Seit einigen Jahren arbeitet er als Pfleger auf der internistischen Station eines Krankenhaues im Saarland. „Ich helfe gern Menschen“, sagt er, „doch die Zeit, die ich mit Patientinnen und Patienten verbringen kann, wird immer knapper.“

In der Frühschicht an Werktagen kümmern sich lediglich drei Fachkräfte um die bis zu 30 Patientinnen und Patienten. Nachts hält sogar nur eine einzige Fachkraft Wache. „Stellen wurden abgebaut, es fehlt an Nachwuchs“, berichtet Tim Umhofer. Gleichzeitig müsse er immer mehr Aufgaben erfüllen. „Oft bin ich mehr mit der Patientenakte als mit dem Patienten befasst“, sagt er.

Das Krankenhaus im Saarland, an dem Tim Umhofer arbeitet, ist kein Einzelfall. In den Jahren 1995 bis 2015 ist die Zahl der Pflegekräfte bundesweit von rund 351.000 auf etwa 321.000 gesunken. In Deutschland muss sich eine Pflegekraft um durchschnittlich 10,3 Patientinnen und Patienten kümmern. In Norwegen liegt das Verhältnis bei 1 zu 3,8. Unter diesem Personalmangel leiden Beschäftigte und Pflegebedürftige gleichermaßen.

Doch Tim Umhofer und seine Kolleginnen und Kollegen finden sich mit diesen Zuständen nicht länger ab. Gemeinsam mit vielen anderen Kolleginnen und Kollegen und der Gewerkschaft ver.di kämpfen sie seit Monaten für einen neuen Tarifvertrag zur Entlastung. Ihre wichtigste Forderung: mehr Personal für Gesundheit und Pflege! Ende Januar fand an allen 21 saarländischen Krankenhäusern ein erster Warnstreik statt. Mit vielfältigen Aktionen haben sie seitdem auf die Missstände im Gesundheitswesen aufmerksam gemacht.

Die Fraktion DIE LINKE fordert seit Langem mehr Pflegekräfte. Anfang 2016 hat sie den Antrag „Gute Arbeit – Gute Versorgung: Mehr Personal in Gesundheit und Pflege“ in den Bundestag eingebracht.

Ihr Vorschlag: eine gesetzliche Personalbemessung, also eine verbindliche Regelung für das Verhältnis von Fachkräften und Patienten. Aktuell fehlen mindestens 100.000 neue Pflegekräfte. Trotzdem lehnten CDU/CSU und SPD den Antrag im Dezember des vergangenen Jahres ab.

Die Fraktion DIE LINKE streitet weiterhin für mehr Personal in Gesundheit und Pflege: im Parlament mit Anfragen und Anträgen, auf der Straße im Rahmen der Kampagne „Das muss drin sein.“ mittels diverser Aktionen vor Krankenhäusern.

Auch Tim Umhofer und seine Kolleginnen und Kollegen setzen ihren Kampf fort. „Der Druck, den wir gemeinsam erzeugen, beginnt zu wirken“, erzählt er. Erste Gespräche über einen besseren Tarifvertrag haben bereits stattgefunden, weitere seien geplant. Denn mehr Personal im Krankenhaus ist besser für alle: für die Beschäftigten ebenso wie für Patientinnen und Patienten.

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