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Medikamente für alle

erschienen in Clara, Ausgabe 12,

Nicht Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen wie in den Industrieländern, sondern Infektionskrankheiten töten nach einer aktuellen Statistik der Weltgesundheitsorganisation weltweit die meisten Menschen: Sie machen 41 Prozent aller Todesursachen aus. Dabei sind die meisten dieser Leiden mit Arzneimitteln gut behandelbar. Doch knapp ein Drittel der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu Medikamenten. Das heißt, dass zum Beispiel in Afrika 85 Prozent aller HIV-infizierten Kinder keine Behandlung bekommen. Gleichzeitig ist für die größte Killerkrankeit, die Tuberkulose, seit über zwanzig Jahren kein neues Medikament auf den Markt gekommen, und auch bei der Bekämpfung der Malaria wird viel zu wenig geforscht. Die pharmazeutische Industrie hat naturgemäß kein Interesse an der Entwicklung von Medikamenten für arme Menschen. Hier versagt der Markt!
Die Bekämpfung von Elend und Krankheit in den armen Regionen dieser Welt gehört aber unabdingbar zu einer neuen, auf gegenseitigem Respekt basierenden Friedenspolitik. DIE LINKE setzt sich deshalb im Bundestag dafür ein, dass Deutschland bei der Bekämpfung dieser vernachlässigten Krankheiten seine Verantwortung wahrnimmt. Sie fordert eine verstärkte öffentliche Forschung in diesem Bereich und eine Veränderung der Patentvergabe. Es muss sichergestellt werden, dass Arzneimittel, die aus öffentlichen Forschungsergebnissen hervorgehen, so günstig wie möglich in den ärmeren Ländern angeboten werden.

Gleichzeitig müssen die Verträge zum Schutz des geistigen Eigentums und die weltweiten Außenhandelsverträge so verändert werden, dass die Entwicklungsländer einen einfachen Zugang erhalten, teure Arzneimittel als Generika für ihre einheimische Bevölkerung nachzuproduzieren - ohne die Gefahr von Sanktionen fürchten zu müssen. Nur mit diesen Maßnahmen können wir verhindern, dass ganze Länder und Kontinente im Elend versinken und ohne Perspektive auf eine nachhaltige Entwicklung bleiben.

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