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Litarturtipp: Die Republik der Frauen

Von Cornelia Möhring, erschienen in Lotta, Ausgabe 5,

Mehr als die Quote oder wie geht Männermacht in Frauenhand?

Im Fantasieland Faguas ereignet sich Unvorstellbares. Die Frauenpartei PIE – Partei der erotischen Linken – erreicht die absolute Mehrheit und beginnt nach der Wahl mit einem rigorosen Umbauprogramm. Dem Land Faguas geht es schlecht, es ist irgendwo zwischen Mittelalter und Moderne stecken geblieben. Günstigerweise sorgt ein Vulkanausbruch dafür, dass der Testosteronspiegel der Männer dramatisch sinkt. Damit verschwinden auf wunderbare Weise alle hormonell bedingten Hahnenkämpfe, Kraftmeierei und Aggressivität. Für ein halbes Jahr übernehmen Frauen mit Witz und Toleranz die Macht. In allen Führungsetagen. Die Männer bekommen bezahlte Freistellungen, um ihre Persönlichkeit in Familie und Haushalt zu entwickeln. Wäre die Welt eine bessere, wenn Frauen an der Macht wären? Vielleicht nein, vielleicht doch. Gioconda Belli, zu Hause in Nicaragua – traditionell ein Macholand –, hinterfragt sehr feinsinnig: Wie anders könnten Menschheitsfragen gesehen und gelöst werden, wenn eine feministische Perspektive nicht die Ausnahme, sondern politischer Alltag wäre. Ihr Roman ist ein großartiges Lesevergnügen mit Denküberraschungen bis zur letzten Seite.

Gioconda Belli: „Die Republik der Frauen“, Droemer Verlag, 304 Seiten, 18 Euro

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