Skip to main content

„Linke dürfen sich nicht gegen Muslime aufhetzen lassen“

erschienen in Klar, Ausgabe 39,

Wer aus „Angst ums Abendland“ (Westend, 17,99 Euro) auf die Straße geht, hört kaum auf Fakten: Muslime machen fünf Prozent der Bevölkerung in Deutschland aus. Der taz-Journalist Daniel Bax untersucht, wie die Anti-Islam-Propaganda funktioniert.

Sie schreiben, dass auch Sie sich manchmal vor dem Islam fürchten. Warum?   Daniel Bax: Vor dem Islam von Terroristen und Fundamentalisten fürchte auch ich mich, wie jeder andere. Und wenn ich nur dem verzerrten Medienbild aufsitzen würde, das von Muslimen häufig gezeichnet wird, dann würde ich vielleicht auch den Eindruck haben, dass diese Extremisten in irgendeiner Weise repräsentativ sind. Zum Glück weiß ich, dass das, was die überwältigende Mehrheit der Muslime in Deutschland glaubt, fern von jedem Extremismus ist. Radikale Strömungen bilden nur eine marginale Minderheit. Die Identifikation mit Rechtsstaat und Demokratie ist unter Muslimen sogar höher als unter AfD-Wählern, wenn man die einschlägigen Studien betrachtet.   Was hilft gegen die Angstmache der Rechtspopulisten?   Begegnung. Denn es ist ja kein Zufall, dass Vorurteile gegen Muslime dort am meisten verbreitet sind, wo es an alltäglichen Kontakten fehlt. Und Fakten. Es gibt viele Studien, die gängige Vorurteile widerlegen. Leider ist die Angstmache ein gutes Geschäft, wie man an den Bestsellerlisten ablesen kann. Viele Leute wollen sich ihre Vorurteile über den Islam gerne bestätigen lassen, vorzugsweise von vermeintlichen Experten, die mit ihren Büchern vorhandene Klischees untermauern und apokalyptische Angstszenarien an die Wand malen.   Wohin kann der Kulturkampf gegen den Islam führen?   Islamhass ist die Welle, auf der die Rechtspopulisten von heute erfolgreich surfen. Sie wissen, dass Ressentiments gegen Muslime sehr weit verbreitet sind, in allen Schichten und Milieus, und machen sich das zunutze. Mit ihren antimuslimischen Forderungen finden sie Gehör, viel mehr als mit anderen Forderungen, etwa zur Familienpolitik, die oft weniger populär sind. Sie leben davon, das Misstrauen gegen Muslime zu schüren, und spalten die Gesellschaft. Linke müssen dem entschieden entgegentreten und dürfen sich nicht gegen Muslime aufhetzen lassen.

Auch interessant