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Kunst kontra Krieg

erschienen in Lotta, Ausgabe 3,

Saudi-Arabien will 270 Panzer kaufen. Krauss-Maffei Wegmann, ein deutsches Unternehmen, soll sie bauen und liefern. Das Künstlerkollektiv Zentrum für Politische Schönheit empört sich über den Deal: aus Kunst wird Aktion.

Das Zentrum für Politische Schönheit ist ein Thinktank von Künstlerinnen und Künstlern. Sie wollen Kunst herstellen, die sich einmischt und die, laut ihrer Selbstbeschreibung, »wehtun, anklagen, provozieren« und »reizen« soll. In dem Kollektiv entsteh die Idee, die Personen und Anteilseigner an Krauss-Maffei Wegmann öffentlich zu machen. Wer verdient an dem tödlichen Geschäft mit Panzern? Wer sind die Anteilseigner an dem Unternehmen, das den Panzer »Leopard 2«, den »Leo« herstellt? Eine Maschine zum Töten, die an ein Regime verkauft wird, in dem es Folter gibt, Oppositionelle verfolgt und eingesperrt und Frauen unterdrückt werden.

Die Kunstschaffenden behaupten: Wer verantworten kann, an Waffengeschäften siebenstellige Millionenbeträge zu verdienen, muss öffentlich dazu stehen. Muss die Vorwürfe, die sich daraus ergeben, ertragen und sich erklären. André Leipold, einer der Aktivisten des Zentrums für Politische Schönheit beschreibt die Motivation für die Aktion so: „Für uns war das dann etwas Persönliches: Die haben es verdient, mal einen Stich abzubekommen, mal ein bisschen aufzuwachen und zu reflektieren, was sie da tun. Woher die Millionen kommen, die sie da einstreichen.“ Über Nacht hängen in Berlin »Fahndungsplakate«. Auf ihnen sind verschiedene Personen illustriert, die mit Klarnamen als diejenigen identifiziert werden, die mit Waffenbau und Waffenlieferungen Geld verdienen.

Wie reagieren die Anteilseigner, die so in den öffentlichen Raum katapultiert wurden? „Das war erst einmal eine Röhrenkommunikation zwischen uns und den Eigentümern. Die Öffentlichkeit durfte zuschauen“, so Leipold. Es kommen Klagen, die Plakate müssen abgehängt werden, die Website wird geschwärzt. Aber es ist zu spät: Schon längst haben sie mit den Plakaten für Unruhe bei den Eigentümern gesorgt. Die öffentlich gemachten Anteilseigner tauchen unter, nur einer der Eigentümer, der Künstler Burkhart Braunbehrens, tritt an die Öffentlichkeit. Er gibt Interviews, in denen er sich von dem Deal mit Saudi-Arabien distanziert, und wird aus dem Aufsichtsrat von Krauss-Maffei Wegmann geworfen. Doch der Deal, das schmutzige Waffengeschäft, die Leute, die daran verdienen, stehen plötzlich in der Medienöffentlichkeit. Aber auch das Innenleben von Krauss-Maffei Wegmann, einem „Bollwerk von Verschwiegenheit und Verschleierung“, wie Leipold es nennt, wird nun eingehender beleuchtet.

Für das Zentrum für Politische Schönheit ist die Aktion ein voller Erfolg. Bei den Aktivistinnen und Künstlern hat der geplante Waffendeal mit Saudi-Arabien „extreme Empörung ausgelöst“. Sie haben es geschafft, diese Empörung so in die Öffentlichkeit zu tragen, dass der Milliardendeal bekannt und die Öffentlichkeit für solche Geschäfte sensibilisiert wurde.

 

 

 

 

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