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Kultur der Offenheit und des Zuhörens

Von Katja Kipping, erschienen in Lotta, Ausgabe 2,

Das ist das Motto von Katja Kipping. Sie ist 34 Jahre alt, seit einem halben Jahr Mutter, bereits die zweite Legislaturperiode im Bundestag, und seit Anfang Juni die gewählte Vorsitzende der Partei DIE LINKE. Katja Kipping über Privates und Politik. 

In der Politik werden häufig nur die Frauen gefragt, wie beides zusammengeht – eine öffentliche Funktion und Familie. Ihr Mann ist Wissenschaftler, ähnlich stark eingespannt wie Sie.  Steckt er im Moment mehr weg in Sachen Kind und Hausarbeit?

Katja Kipping: Nein, wir haben uns von Anfang darauf verständigt, dass wir uns jeweils zu fünfzig Prozent die Erziehungsarbeit teilen. Das ziehen wir auch durch. Für mich bedeutet das, dass ich so manche Arbeit erst abends nach 20 Uhr, wenn die Kleine schläft, machen  kann. Und es gibt auch Diskursspaziergänge mit der Kleinen im Kinderwagen oder ein Arbeitstreffen abends bei mir zu Hause neben dem Babyfon.

Die bislang jüngste Chefin der Linken, dazu klug und glaubwürdig – das ist immer wieder zu hören. Was ist Ihnen wichtig für das  Selbstverständnis der LINKEN?

Dass wir unsere Unterschiede nicht als Belastung oder gar als Angriff auf die eigene Lebensleistung begreifen, sondern als Bereicherung. Wir sollten unsere Widersprüche produktiv machen und uns nicht einreden lassen, dass Widersprüche etwas Schlechtes sind. Und wenn es mal kompliziert wird wünsche ich mir, dass wir uns die Zeit nehmen, mal in klugen Texten und Büchern zu Dialektik nachzulesen.

Zu den ersten Projekten im neuen Amt gehört der Schutz vor prekärer Arbeit. Das ist auch unser Thema in dieser Lotta-Ausgabe.

Prekarität hat viele Gesichter. Es betrifft die Leiharbeiterin am Fließband, die Migrantin am Wischmopp und  Erwerbslose, die die Behandlung auf dem Amt als Demütigung erleben. Die Herrschenden versuchen, die verschiedenen Gruppen gegeneinander auszuspielen. Linke Politik zur Eindämmung von Prekarität will: die Abschaffung von Leiharbeit, die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes, die Abschaffung der Hartz-IV-Sanktionen.

Von linken Frauen in der Politik erwartet man feministische Impulse. Wie  sehen Sie sich da mittendrin?  

Ich gehöre zu denen, die sich dafür einsetzen, dass die Kämpfe um die Zeit und die „Vier-in-einem-Perspektive“ ein zentraler Punkt werden. Es geht um die gerechte Verteilung von Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Arbeit fürs Gemeinwesen und um eigene Entwicklungschancen. Aber gleichgültig, ob man sich als Feministin begreift oder nicht: Vor Männern und  Frauen in unserer Fraktion steht eine Aufgabe, und die lautet: Spezifische Problemlagen von Frauen herauszuarbeiten. Dazu gehört, dass zwei Drittel aller Niedriglöhner Frauen sind.

 

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