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In der Kommune tief verwurzelt

Von Sigrid Hupach, Richard Pitterle, erschienen in Klar, Ausgabe 32,

Sigrid Hupach und Richard Pitterle sind Bundestagsabgeordnete und machen zudem Kommunalpolitik

Heilbad Heiligenstadt in Thüringen. Wer will, kann Sigrid Hupach von der Straße aus beim Arbeiten zuschauen. Die Schaufensterscheiben ihres Wahlkreisbüros direkt am Markt reichen bis zum Boden. Sigrid Hupach ist eine der Neuen im Bundestag. Gewählt im September letzten Jahres im katholisch geprägten Landkreis Eichsfeld. »Ich bin 2007 in DIE LINKE eingetreten«, erinnert sie sich. »Hatte Lust, mich vor Ort politisch einzumischen.« Ein wenig scheint die dreifache und alleinerziehende Mutter immer noch vom eigenen Erfolg überrascht zu sein. In ihrer Region kennt man sie gut. Seit fünf Jahren arbeitet Sigrid Hupach als Kommunalpolitikerin, sitzt mit vier weiteren Abgeordneten für DIE LINKE im Kreistag, Landkreis Eichsfeld.

Sindelfingen in Baden-Württemberg. Richard Pitterle ist der einzige Stadtrat der Linken in dem etwa 60.000 Einwohner zählenden Ort. Gewählt im Juni vor fünf Jahren, schaffte er drei Monate später dann auch noch den Sprung in die Bundespolitik. »Der Gemeinderat«, so Pitterle, »hoffte wohl damals, ich würde nach Berlin verschwinden.« Die Berührungsängste vor dem linken Volksvertreter waren heftig. Pitterle blieb, übt bis heute beide Mandate aus und nimmt im Gemeinderat nach Möglichkeit an allen Beratungen teil.

Politischer Vormittag im Gymnasium in den Pfarrwiesen. Richard Pitterle ist dazu eingeladen. Für ihn ist das Sindelfinger Gymnasium vertrautes Terrain. Hier machte er 1980 das Abitur, hier war er drei Jahre lang Schulsprecher. Er erklärt den Schülern, warum junge Leute selbst mitbestimmen sollten. Der frisch gegründete Jugendgemeinderat in Sindelfingen sei ein guter Anfang.

Spielnachmittag im Kinder- und Jugendwerk der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Heiligenstadt. Da fühlt Sigrid Hupach sich zu Hause. Sie war selbst mal mittendrin, zwei Jahre lang, freiwillig als Familienbetreuerin. Sie erlebte hautnah die Benachteiligung von Kindern aus Hartz-IV-Haushalten, ihre Ausgrenzung bei Klassenfahrten oder bei den einfachsten Dingen wie Mitmachen im Sportverein.

Förderung für Familien, das steht selbst in einer so betuchten Stadt wie Sindelfingen nicht ganz oben auf der Liste. Eltern dort müssen seit Februar sieben Prozent mehr Kitagebühren zahlen, im Hort steigen die Gebühren in den nächsten zwei Jahren um 25 Prozent. Richard Pitterle hatte sich mit Händen und Füßen gegen diesen Beschluss des Gemeinderats gewehrt. Sein Gegenvorschlag lautet, »das letzte Kindergartenjahr komplett gebührenfrei« zu stellen. Das wünschte er sich schon bei den Haushaltsberatungen für das Jahr 2013, als Geschenk der Stadt für die Eltern Sindelfingens anlässlich des 750-jährigen Stadtjubiläums.

Heilbad Heiligenstadt, Sindelfingen am Abend. Sigrid Hupach ist wieder zurück in ihrem neuen Büro. Es ist voll geworden, der Kreisvorstand der Partei DIE LINKE im Eichsfeld hat sich versammelt. Sie wollen darüber reden, wer auf der offenen Liste für DIE LINKE kandidieren könnte.

Auch Richard Pitterle sitzt mit seinen Mitstreitern zusammen und denkt über Kandidaten für die Kommunalwahl im Mai nach. Klar ist, er wird wieder kandidieren und auch diesmal nicht nach Berlin »verschwinden«.

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