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Im Kreuzfeuer der Ratingagenturen

erschienen in Klar, Ausgabe 24,

Länder bewerten, in den Ruin treiben und abkassieren. Das ist das Geschäft der Ratingagenturen. Doch wer steckt dahinter?

Zahlreiche Staaten in Europa fürchten sich vor dem Urteil dieser privaten Ratingagenturen: Moody’s, Standard&Poor’s (S&P) sowie Fitch. Sie sind es, die die Kreditwürdigkeit von Staaten bewerten. Dafür wenden sie einen Code an, der in der Regel von AAA (Triple A) für höchste Kreditsicherheit bis zu D (Default) für Zahlungsausfall reicht. Je schlechter die Bewertung, umso schwieriger und vor allem teurer wird es für den beurteilten Staat, sich Geld an den Finanzmärkten zu besorgen. Er zahlt dann enorme Zinsen. Eine gute Bewertung hingegen bringt  günstige Kredite.

Doch wer steckt eigentlich hinter diesen Agenturen? Für gewöhnlich sind große Finanzkonzerne die Eigentümer. Was aber kaum einer weiß: Dieselben Finanzkonzerne sind zugleich häufig auch die Kunden ausgerechnet jener Agentur, die sie selbst besitzen. Damit werden die Agenturen zu wahren Selbstbedienungsläden im großen internationalen Finanzgeschäft. Wie das funktioniert, zeigt folgendes Beispiel: Der Finanzkonzern Morgan Stanley, der sowohl Besitzer als auch Kunde der Ratingagentur Moody’s ist, besitzt beispielsweise eine Versicherung, die ihn für den Fall absichert, dass Griechenland seine Kredite nicht mehr zurückzahlen kann. Wird nun die Kreditwürdigkeit Griechenlands durch Moody’s herabgestuft, steigt der Wert dieser Versicherung von Morgan Stanley. Denn nun geht die Angst um, Griechenland könnte aufgenommene Kredite nicht mehr begleichen, und nur eine Versicherung dagegen hilft weiter. Morgan Stanley kann nun diese Versicherung zu einem höheren Preis verkaufen oder wartet ab, bis Athen unter der Last der hohen Zinsen tatsächlich den Bankrott erklärt. Dann kassiert der Finanzkonzern die Versicherungssumme. Im Klartext: Am Ende gewinnen immer die Ratingagenturen und ihre Besitzer. Verlierer hingegen sind die Staaten und die Steuerzahler, die die hohe Zinslast zu tragen haben. Doch diese Macht der Ratingagenturen ist kein Naturgesetz. Die EU-Staaten selbst haben ihnen diese Macht gegeben. Dass es anders geht, zeigen die USA und Großbritannien. Sie müssen das Urteil der Agenturen nicht fürchten. Der Grund: Dort garantieren die Zentralbanken für die Staatsschulden. Die USA und Großbritannien kommen über ihre Zentralbanken immer an günstige Kredite. Die Europäische Zentralbank (EZB) leiht hingegen nur den Banken Geld: kürzlich eine Billion Euro für ein Prozent. Das reichen die Banken dann zu Wucherzinsen an Euro-Länder weiter. Deswegen fordert DIE LINKE, dass die EU-Staaten über eine öffentliche Bank günstige Kredite der EZB erhalten. Dann ist es egal, ob S&P oder Moody’s ein schlechtes Urteil abgeben.

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