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Im Herzen des Bundestags

erschienen in Clara, Ausgabe 26,

Alexander Reetz arbeitet an der Schnittstelle zwischen der Fraktion DIE LINKE und der Bundestagsverwaltung. Ein Blick hinter die Kulissen parlamentarischer Arbeit

Jeden Morgen strömen Hunderte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Linksfraktion in ihre Büroräume, sagen ihren Kollegen "Hallo", schalten den Computer an, rufen das Mailprogramm auf, und da ist er schon – der Name, der am häufigsten in jedem E-Mail-Fach zu lesen ist: Alexander Reetz. Wenn man acht Stunden vor seinem Rechner arbeitet, kommt garantiert mindestens einmal eine Nachricht von Alexander Reetz, an manchen Tagen können es auch drei oder vier Botschaften sein. Dann ist wahrscheinlich Sitzungswoche im Bundestag.

Seit zwei Jahren arbeitet Alexander Reetz für die Parlamentarische Geschäftsführung – kurz: PGF – der Fraktion DIE LINKE. Diese Abteilung plant, koordiniert und organisiert die parlamentarische Arbeit. Das ist ein immenser organisatorischer Aufwand. Denn in Sitzungswochen des Bundestags sind die Bürogebäude rund um den Reichstag prall gefüllt. 620 Bundestagsabgeordnete und ihre Teams, 10000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fraktionen und der Bundestagsverwaltung arbeiten in der Hauptstadt. Und wenn am Mittwochmorgen die Sitzung im großen Plenum beginnt, müssen sie alle wie Zahnräder funktionieren.

Die PGF betreut zum Beispiel den Bereich der Kleinen und Großen Anfragen. Sie werden auf Formalitäten kontrolliert und dann an die Bundestagsverwaltung weitergegeben. Es wird darauf geachtet, dass die Bundesregierung fristgerecht auf Anfragen antwortet und diese Antworten dann unverzüglich an die Abgeordneten weitergegeben werden.

Der 26-Jährige kümmert sich um die Redeliste und die Tagesordnung in den Sitzungswochen. Das ist viel Kleinarbeit, die große Aufmerksamkeit erfordert. Sein Telefon klingelt ständig, sein Mail-Fach läuft über. Die PGF handelt mit den parlamentarischen Geschäftsführungen der anderen Fraktionen aus, welcher Tagesordnungspunkt angesetzt wird. Wer redet zu welchem Thema und wann? Gleichzeitig hält er den Kontakt zu den 76 Abgeordneten der Fraktion DIE LINKE. Er achtet darauf, dass die Abgeordneten zum richtigen Zeitpunkt im Plenum sein können, dass sie wissen, wann zu welchem Thema geredet wird und wie lang die Redezeit bei den Debatten im Plenum ist. Weil das den Tagesablauf von Abgeordneten so sehr beeinflusst, wird über jede kleinste Änderung informiert – und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fraktion bekommen Mails von Alexander Reetz.

Für den 26-Jährigen ist das besonders spannend, weil er in seinem Studium der Politikwissenschaft theoretisch viel darüber gelernt hat, wie parlamentarische Systeme funktionieren, und nun, abseits vom akademisch analysierten Idealfall, mitten in der Realität der parlamentarischen Arbeit steckt. Die Innenansicht kann auch ernüchternd sein: Wenn Anträge der LINKEN abgelehnt werden und dann wortgleich von allen anderen Fraktionen gemeinsam erneut eingebracht werden, um ihnen zustimmen zu können, wird der Betrieb unfassbar und unverständlich, auch für ihn.

Alexander Reetz hat an der Universität Leipzig studiert und im Jahr 2010 mit Diplom abgeschlossen. Sein Job erfordert Durchsetzungskraft, Zähigkeit und einen langen Atem – alles Eigenschaften, die Alexander Reetz auch in seinen Lieblingssportarten praktiziert. Er läuft Marathon und gewann beim Bundestagslauf in einem Team der Fraktion den Staffelwettbewerb. Und er spielt Fußball für die Roten Socken e.V., den Verein der Bundestagsfraktion DIE LINKE.

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