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„Ich war aufgeregt, aber nicht unsicher“

Von Birgit Menz, erschienen in Clara, Ausgabe 36,

Für Agnes Alpers, die ihr Bundestagsmandat wegen Krankheit aufgeben musste, arbeitet seit März Birgit Menz in der Fraktion DIE LINKE mit. Bundespolitik ist neu für sie, das Abgeordnetenmandat auch, sich politisch einzumischen dagegen nicht.

Birgit Menz kann sich noch ganz genau an den Tag erinnern, an dem sie mit ihrer Unterschrift dokumentierte, den Platz in der Fraktion anzunehmen. Es war ein Freitag, der 13. März. Dann muss sie schmunzeln, erzählt vom ungewollten „Fehlstart“ im Berliner Parlament. Unterzeichnet hatte sie ihren Vertrag in Bremen, ihrer jetzigen Heimatstadt. Als frisch gebackene Abgeordnete dachte sie, es gebe danach ein offizielles Schreiben, eine Art Einladung vom Parlamentspräsidium. Das gab es aber nicht. Und so begann ihre parlamentarische Laufbahn mit einer Fehlzeit, sie hatte die erste Sitzungswoche verpasst. Kein Kavaliersdelikt, sagt sie, aber erklärbar, und die erste handfeste Erfahrung hat sie damit auch hinter sich: Im sogenannten Hohen Haus läuft alles viel normaler als vermutet und – man muss sich schon selbst kümmern.

Geboren wurde Birgit Menz im Osten, in Suhl, im Mai 1962. Von Thüringen ging sie nach Leipzig, studierte an der Fachhochschule, lernte Buchhändlerin, und Bücher wurden fortan für sie – vor allem die, die sich mit Gegenwart beschäftigen – verlässliche Freunde und Wegbegleiter. Gleichzeitig begann sie sich für Politik, für Gesellschaft, für Zusammenhänge zu interessieren. Zu Beginn der 1980er Jahre trat sie in die SED ein, trat auch nicht aus, als sich mit der gesellschaftlichen Wende nicht nur das Land, sondern auch ihr ganz privates Dasein änderte. Den Umbruch sah sie als Chance, etwas neu zu gestalten und zu verändern. Damals, so sagt sie, sei sie „eigentlich schüchtern“ gewesen, aber plötzlich wurden „Kräfte wach, die ich nicht an mir kannte“. Birgit Menz suchte das offene Gespräch, ging auf Leute zu, klingelte an Haustüren, debattierte auf Straßen und Plätzen. Das macht sie heute immer noch gern. Am Infostand zuhören und reden, immer im direkten Kontakt mit den Leuten. Jetzt allerdings in Bremen. Dorthin hat es sie im Jahr 1997 verschlagen, der Liebe wegen. Das Gefühl von Zuhause oder Heimat geben ihr ohnehin weniger Orte als vielmehr Menschen. Freunde, linke Mitstreiter, sowohl an der Basis als auch im Bremer Landesvorstand der Partei DIE LINKE, dem sie angehört.

Mensch und Umwelt zusammendenken

Jetzt also der Sprung in den Bundestag. Sie folgt auf Agnes Alpers. Die hatte sich als Expertin für Bildung und Ausbildung in der Fraktion DIE LINKE und im Parlament einen Namen gemacht, war jedoch am Ende der vergangenen Legislaturperiode während einer Plenardebatte zusammengebrochen und ins Koma gefallen. Daraus erwachte sie wieder, doch den aufwendigen Politikjob schafft sie nicht mehr. Das zu entscheiden, dafür ließ die Fraktion DIE LINKE ihr alle Zeit. Für Nachfolgerin Birgit Menz war das vor allem eine Zeit der „eigenen Traurigkeit“. Denn die Hoffnung, „der Gesundheitszustand bessert sich, sie schafft es“, blieb bis zum Schluss. Jetzt ist der Staffelstab übergeben, aber Birgit Menz, die einen ähnlich üppigen Haarschopf trägt wie ihre Bremer Vorgängerin, sagt souverän, „sie trete nicht in die Fußstapfen“. Das könne und wolle sie auch gar nicht. Ihr Fachgebiet ist der Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorwesen. Da fühlt sie sich zu Hause, und das sei ein Bereich, in dem sich Mensch und Umwelt, sprich Soziales und behutsamer Umgang mit Ressourcen, sehr gut zusammendenken und entscheiden lassen. Das will sie angehen. Dafür bleiben ihr noch gute zweieinhalb Jahre Zeit. Dann wird schon neu gewählt.

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