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Hilfe gegen Hartz IV

erschienen in Klar, Ausgabe 8,

Offenbach. Stadt der Superlative: Höchste Arbeitslosenquote in Hessen. Höchste Pro-Kopf-Verschuldung in Deutschland. Einzig die hiesigen Mieten sprechen für Offenbach. Sie sind niedrig - in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens. Wer es sich leisten kann, zieht in die benachbarte Bankenstadt.

In Offenbach lebt fast jeder fünfte der 116000 Einwohner von Hartz IV - auch das ist Rekord. Ihnen hilft Wolfgang Radner. Dreimal pro Woche, von 10 bis 15 Uhr, bietet der linke Politiker eine kostenlose Beratung an. Die Nachfrage ist groß: Ob leerer Kühlschrank, quälende Schulden oder Schikane auf dem Amt - bis zu zwanzig Personen suchen wöchentlich in seinem Büro nach Rat.

Katja Kipping (DIE LINKE) kritisiert die Bundesregierung. Sie bemängelt, dass die Ämter zugleich beraten und auszahlen: “Wer zahlt, hat andere Interessen als die Anspruchsberechtigten.” Ihre Fraktion hat wiederholt gefordert, dass die Bundesregierung unabhängige Beratungsstellen finanziert. Dies sei “im Sinne der Selbsthilfe und Vernetzung von Erwerbslosen”, so die sozialpolitische Sprecherin.

Bisher konnte Wolfgang Radner in 95 Prozent aller Fälle helfen. “Oftmals stehen die Berater in den Agenturen selbst unter Druck. Oder sie mögen die Betroffenen persönlich nicht. Auch schlichte Formfehler kommen häufig vor”, erzählt er. Wo der 55-Jährige nicht helfen kann, weil gerichtliche Schritte notwendig sind, vermittelt er einen Anwalt. Dessen Bezahlung erfolgt auf Beratungsschein der Agentur, die Betroffenen selbst zahlen nichts.

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