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Gute Renten, endlich auch für Frauen!

erschienen in Lotta, Ausgabe 8,

 

 

Im Juni vor 125 Jahren wurde das „Gesetz betreffend die Invaliditäts- und Alterssicherung“ verabschiedet. Es war der Vorläufer der heutigen gesetzlichen Rentenversicherung. Damals galt das Leitbild der „versorgten Frau“. Aber schon vor über 100 Jahren waren deutlich mehr Frauen als Männer auf die Armenunterstützung angewiesen. Die Ungleichheiten sind bis heute nicht beseitigt. Warum bekommen Frauen so niedrige Renten?

Frauen übernehmen immer noch einen Großteil der Sorgearbeit der Gesellschaft. Sie haben deshalb eine geringere Erwerbsbeteiligung, Auszeiten in ihrer Erwerbsbiografie und arbeiten häufig Teilzeit. Außerdem verdienen sie immer noch deutlich weniger als Männer und haben geringere Aufstiegschancen. Das verzeiht das deutsche, von Bismarck geschaffene und in der Adenauerzeit in seiner heutigen Grundstruktur ausgestaltete Rentensystem nicht. Die Gründe: Die gesetzliche Rente ist stark lohnbezogen. Sie spiegelt im Wesentlichen die Entgeltposition und Länge der Erwerbsbiografie. Zwar wird dieser Zusammenhang durch die Anrechnung von Kindererziehungszeiten und andere Ausgleichselemente abgemildert, er bleibt aber im Vergleich zu anderen Rentensystemen relativ eng. Er ist sogar wieder enger geworden: Die Rente nach Mindesteinkommen, nach der geringe Rentenansprüche – unabhängig davon, ob in Vollzeit oder Teilzeit erworben – aufgewertet wurden und von der Frauen am meisten profitiert haben, gilt nur noch für bis 1992 erworbene Rentenzeiten. Der zusätzliche „Mütterrentenpunkt“, den die Große Koalition eingeführt hat, bringt zwar ein bisschen mehr Anerkennung, ändert aber im Wesentlichen nichts an der unzureichenden Alterssicherung von Frauen. Weiterhin sind Frauen, die keine ausreichenden eigenständigen Rentenansprüche erwerben konnten, auf die über den Ehepartner abgeleitete Witwenrente oder die viel zu niedrige Grundsicherung im Alter angewiesen.

DIE LINKE will deshalb die eigenständige Alterssicherung von Frauen stärken. Wir wollen gute Arbeit, die mit Familie vereinbar ist, und gute Löhne – endlich auch für Frauen. Denn daraus entstehen auch gute Renten. Außerdem wollen wir den Solidarausgleich in der Rente stärken: Für jedes Kind sollen unabhängig von Alter und Geburtsdatum drei Jahre zum Durchschnittsverdienst in der Rente anerkannt werden. Auch die Pflege von Angehörigen soll stärker ins Gewicht fallen. Geringe Rentenansprüche wollen wir dauerhaft aufwerten und dazu die Rente nach Mindesteinkommen entfristen. Damit niemand im Alter in Armut leben muss, wollen wir eine Mindestrente von 1.050 Euro netto einführen. Denn jeder und jede muss – unabhängig von seiner oder ihrer Erwerbsbiografie – im Alter in Würde leben können.

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