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Glücksspiel Kitaplatz

erschienen in Klar, Ausgabe 20,

Immer mehr junge Eltern suchen verzweifelt einen Kitaplatz.

Ende April feiert Leo seinen ersten Geburtstag. Für einen Kitaplatz angemeldet haben ihn seine Eltern das erste Mal, da war er noch nicht einmal geboren. »In Prenzlauer Berg in Berlin probieren es alle so früh wie möglich«, erzählt Felix Zimmer. Mittlerweile haben er und seine Freundin Friederike Schwardt ihren Sohn bei acht Kitas eingetragen. Doch überall sind die Wartelisten lang. Ob Leo nach seinem ersten Geburtstag eine Betreuung erhält, ist ungewiss.

Mit dem Wunsch nach früher Betreuung für ihr Kind steht das Elternpaar nicht alleine da. Im Osten wird jedes zweite Kind unter drei Jahren nicht zu Hause betreut. In den alten Bundesländern ist es fast jedes fünfte Kind. Ab 2013 soll es einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für unter Dreijährige geben. Versprochen von der Bundesregierung. Bundesweit sollen dann 35 Prozent der Kleinkinder professionell betreut werden. Wunsch und Wirklichkeit klaffen jedoch schon jetzt weit auseinander.

Zum einen ist der tatsächliche Bedarf an Krippenplätzen höher als von der Regierung angenommen. Laut einer Forsa-Umfrage wünschen sich 66 Prozent der Eltern frühzeitig einen Kitaplatz für ihren Nachwuchs, bei Akademikerinnen sind es sogar 78 Prozent. Demzufolge werden laut Deutschem Städtetag nicht 750 000, sondern mehr als 1,3 Millionen Kitaplätze benötigt.

Zum anderen beteiligt sich die Regierung nur mit vier Milliarden Euro am Ausbau der Kitas. Das ist lediglich ein Drittel der geschätzten Gesamtkosten. Den Rest sollen Länder und Kommunen aufbringen. Da deren Kassen notorisch leer sind, streiten sie bereits, wer für den Ausbau der Betreuungsplätze, für zusätzliches Personal und steigende Betriebskosten aufkommen muss. 

Hinzu kommen große regionale Unterschiede. In Thüringen und Sachsen-Anhalt werden bereits heute Babys in Krabbelgruppen betreut. In Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen hingegen müssen sich Eltern oft mit einem Halbtagsplatz zufriedengeben. Eine Variante, die für berufstätige Menschen kaum attraktiv ist.

»Uns geht es vor allem um Leo«, sagt Felix Zimmer. Er wünscht sich, dass sein Sohn eine neue Welt kennenlernt, Freunde findet, spielend lernt. Aber auch für die eigene Lebensplanung brauchen er und seine Freundin Friederike Schwardt die Kinderbetreuung. Weil sein Gehalt nicht ausreicht, um die kleine Familie zu ernähren, möchte sie nach einem Jahr Elternzeit endlich wieder eine bezahlte Arbeit aufnehmen. »Wir können ohnehin nicht zwei Jahre auf einen Kitaplatz warten«, sagt Felix Zimmer.

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