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»Gesundes Essen muss bezahlbar sein«

Von Kirsten Tackmann, erschienen in Klar, Ausgabe 20,

Landwirtschaftsexpertin Kirsten Tackmann (DIE LINKE) benennt Ursachen der Lebensmittelskandale und plädiert für schärfere Kontrollen.

Weshalb verursacht die Futtermittelindustrie immer neue Skandale?

Kirsten Tackmann: Weil der Weltmarkt für Agrarprodukte weitgehend unreguliert ist und skrupellos nach Profit strebt. Mal werden dem Futter für Tiere Hormone zugefügt, ein anderes Mal wie jüngst Industriefette. Der Fehler liegt im System. Dort, wo soziale und ökologische Regeln fehlen, bleiben Qualität und Verbraucherschutz auf der Strecke.

Aber sicheres Futter führt zu teurerem Fleisch.

Nein. Die Gewinnspannen in der Lebensmittelindustrie und bei den Supermarktketten sind groß genug, um ein sicheres Zertifizierungssystem vom Acker bis zum Teller nach strengen gesetzlichen Regeln zu finanzieren. Die Politik muss zudem sicherstellen, dass gesundes Essen für alle bezahlbar bleibt: Dazu gehören auch ein gesetzlicher Mindestlohn und existenzsichernde Renten. Gleichzeitig müssen Spekulationen mit Nahrungsmitteln und Ackerböden unterbunden werden. Zur Not muss eine staatliche Preisaufsicht eingreifen.

Wie wollen Sie die Lebensmittelindustrie besser kontrollieren?

DIE LINKE fordert erstens, dass die Kontrollen in den Betrieben nach strengen gesetzlichen Regeln durchgeführt werden. Zweitens muss jede Ladung Futtermittel getestet werden, bevor sie verarbeitet wird. Drittens müssen private Lebensmittellabore verpflichtet werden, die Behörden sofort über Verdachtsfälle zu informieren. In solchen Fällen müssen die Behörden, viertens, Zugang zu allen Betriebsdaten erhalten. Und Mitarbeiter, die auf Missstände hinweisen, müssen per Gesetz geschützt werden.

Kirsten Tackmann ist landwirtschaftspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE

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